5G im Klinikalltag

Welche Technologien werden wichtig, worauf sollten Unternehmen jetzt schon achten? Die Antworten geben Vordenker an dieser Stelle. Unser Gastautor Dr. Falko Schmid, Leiter des Digital Health Lab Düsseldorf am Universitätsklinikum Düsseldorf, über 5G im Klinikalltag.

Februar 2022

Gastautor Dr. Falko Schmid, Leiter des Digital Health Lab Düsseldorf am Universitätsklinikum Düsseldorf

© Jörg Schneider/Kammann Rossi

Die fünfte Generation des Mobilfunks verspricht schnelleres und sicheres Internet. 5G transportiert zehnmal so viel Gigabits wie sein Vorgänger und kann so Daten in unter einer Millisekunde übertragen. Das schafft neue Möglichkeiten: Im Gesundheitswesen etwa gibt es viele Technologien, Behandlungen und Prozesse, die auf 5G-Basis funktionieren und unsere medizinische Versorgung revolutionieren könnten.

Diese Anwendungsfälle erforschen wir in unserem 5G-Projekt „Giga for Health“. Wir untersuchen beispielsweise den Einsatz von Mixed-Reality-Brillen bei Herztransplantationen. Diese Eingriffe müssen besonders schnell gehen und können daher von den Eigenschaften der 5G-Technologie profitieren. Wir haben nur maximal vier Stunden Zeit, um ein Spenderherz zu entnehmen, zum Empfänger zu transportieren und dort wieder zu implantieren. Der Spender liegt zudem meist in einem anderen Krankenhaus, das bis zu zwei Stunden Reisezeit entfernt ist. Gleichzeitig haben wir wenige konkrete Informationen darüber, ob das Herz auch zum Empfänger passt, und in welchem Zustand es ist.

Hier setzen wir mit unserem Projekt an: Wir übertragen die Entnahme des Organs über einen hochauflösenden Videostream. So kann das Implantationsteam, das bei uns in der Klinik beim Empfänger steht, über eine Mixed-Reality-Brille auf das Spenderherz schauen und gemeinsam entscheiden, ob es anatomisch und physiologisch tatsächlich für ihren Patienten geeignet ist. 5G überträgt die großen Datenmengen nahezu in Echtzeit, was eine solch kollaborative Form der OP erst möglich macht. So hoffen wir, mehr Menschen mit passenden Spenderherzen versorgen und das Ergebnis über schnellere Entnahme- und Entscheidungsprozesse verbessern zu können.

Künftig können Spezialisten sogar weltweit gemeinsam operieren. Durch die rasante Weiterentwicklung in der operativen Robotik werden Chirurgen OP-Roboter schon bald sicher aus der Ferne steuern und für die Operation nicht mal vor Ort sein müssen. Und auch die Patientenbetreuung könnte sich grundlegend ändern. Dies kann beispielsweise durch medizinische Wearables realisiert werden. Durch eine Art Aufkleber auf der Haut können wir heute schon alle wichtigen Vitalwerte kontinuierlich erfassen – ein Monitoring, das bislang nur über kabelgebundene Betten erreicht wird.

Werden sie standardmäßig überall eingesetzt, können wir die Versorgung von deutlich mehr Patienten als bisher grundlegend verbessern und können auch den Krankenhausaufenthalt für Patienten verkürzen: Sie können die Wearables auch zu Hause tragen und die Klinik wird informiert, sobald sich die Werte in eine kritische Richtung entwickeln. Was jetzt noch fehlt, ist ein flächendeckender 5G-Ausbau.