Ägypten sucht innovative Lösungen

Bewässerung und Pumpen sind oft ineffizient, viele Kanäle sind marode, Pumpstationen verlieren Wasser. Ungeklärte Abwässer und Abfälle bedrohen Drainagekanäle. Ausländische Anbieter sind gefragt, etwa bei innovativen Lösungen wie Unterflurbewässerung, Technik für Gewächshäuser und effizienten Solarpumpen.

April 2017
Autor:  Oliver Idem

Der Nil ist seit jeher die Lebensader Ägyptens. Noch im Jahr 1959 führte er mehr als genug Wasser für die 20 Millionen Einwohner. Heute müssen sich rund 92 Millionen Ägypter die gleich gebliebene Jahresration von 55,5 Milliarden Kubikmeter teilen. Doch selbst dieser Anteil ist gefährdet. Der Renaissance-Staudamm in Äthiopien, am Oberlauf des Nils, könnte Ägypten buchstäblich das Wasser abgraben. Während des Auffüllens wird mit bis zu zwölf Prozent weniger Durchfluss gerechnet.

Der Renaissance-Staudamm in ­Äthiopien soll ab 2017 den Nil stauen, der durch den Sudan nach Ägypten fließt. Die Ägypter befürchten, dass ihre Lebensader während des Auffüllens bis zu zwölf Prozent weniger Wasser führen wird. | © Joh Haner/NYT/Redux/laif

Auch die Exportschlager Obst und Gemüse fordern ihren Tribut. Landwirtschaft bedeutet hier fast ausschließlich Bewässerungslandwirtschaft und verbraucht vier Fünftel der Wasserressourcen. Aber auch die Einsparpotenziale sind groß.

Es führe kein Weg daran vorbei, sie zu erschließen, denn eine sichere Trinkwasserversorgung habe Vorrang vor dem Bedarf des Agrarsektors, stellt Senior Advisor Frank Giesel fest, der die ägyptische Chamber of Food Industries berät. „Ein hohes Potenzial steckt in der Wiederverwendung von Wasser und technischen Optimierungen.“

»Bewässerung entscheidet mit über die Zukunft der wachsenden ägyptischen Bevölkerung.«

Oliver Idem, GTAI-Korrespondent Ägypten

Bewässerung und Pumpen sind oft ineffizient, viele Kanäle sind marode, Pumpstationen verlieren Wasser. Ungeklärte Abwässer und Abfälle bedrohen Drainagekanäle. Ausländische Anbieter sind gefragt, etwa bei innovativen Lösungen wie Unterflurbewässerung, Technik für Gewächshäuser und effizienten Solarpumpen. Versalzte und wenig fruchtbare Böden benötigen integrierte Bewässerungstechniken. An der Nordwestküste sollen Regensammler die wenigen, aber starken Niederschläge nutzbar machen. „Viele Investitionen hängen an staatlichen Stellen“, erklärt Giesel.

Auch aus Deutschland fließt Geld

Zentrale Akteure sind die Ministerien für Landwirtschaft und Bewässerung. Internationale Geber unterstützen Ägypten mit Expertise und Geld. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit etwa arbeitet mit dem Landwirtschaftsministerium zusammen, die Förderbank KfW unterstützt die Ausbesserung von Bewässerungskanälen.

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und die Europäische Union setzen auf die Modernisierung des Bewässerungssystems. Die „Sustainable Agricultural Development Strategy Towards 2030“ von 2009 bündelt wichtige Pläne zur Modernisierung der Landwirtschaft und der Bewässerungstechnik.