Auf Zuruf

Wer nicht in der Großstadt wohnt, ist auf sein Auto angewiesen, Busse und Bahnen fahren nur selten. Das Berliner Start-up ­Door2Door hat die Lösung: Eine App sammelt individuelle Fahrtwünsche und errechnet dann die beste Route für alle.

Oktober 2019
Autorin: Celine Schäfer, wortwert

Intelligente Lösungen für die Zukunft des Nahverkehrs – das hat sich das Berliner Unternehmen Door2Door auf die Fahnen geschrieben. Die Geschäftsidee der Gründer Tom Kirschbaum und Maxim Nohroudi: Sie liefern seit 2012 eine sogenannte Mobility-as-a-Service-Lösung für Verkehrsunternehmen und Kommunen, die damit ihre Fahrzeuge besser auslasten können.

Door2Door arbeitet zum Beispiel mit der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) zusammen, dem Betreiber des öffentlichen Personennahverkehrs der Ruhrgebietsstadt. „Es ist unprofitabel, Busse und Bahnen zu Nebenverkehrszeiten oder in dünn besiedelten Randgebieten zu betreiben“, erklärt Gründer Kirschbaum. Dazu kommt: Randgebiete der Stadt sind häufig nicht gut genug ans öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen, daher nutzen viele ein eigenes Auto – und das sorgt für Stau zu den Stoßzeiten.

Door2Door-Gründer Tom Kirschbaum (links) 2018 mit dem damaligen ADAC-Geschäftsführer Alexander Möller. Der Automobilclub ist Kooperationspartner der Berliner. © Jürgen Jehle/Kammann Rossi

Door2Door hat für die DVG die App „­myBUS“ entwickelt, einen On-Demand-­Ride­pooling-Service. Heißt konkret: Wer den Busservice nutzen möchte, bestellt das Fahrzeug einfach per App. Ein Algorithmus bündelt die Anfragen und errechnet die passende Route, um so viele Menschen wie möglich einzusammeln und zu ihrem Ziel zu bringen.

Ridepooling funktioniert nicht nur in der Großstadt, sondern auch in ländlichen Regionen. Dort sind die Menschen besonders häufig von ihrem Auto als Transportmittel abhängig. Auch hier kann die Plattformlösung helfen: Statt mit großen Verkehrsgesellschaften arbeitet Door2Door mit Kleinstädten und den örtlichen Bus- und Taxiunternehmen zusammen.

Das Konzept scheint aufzugehen. Door2Door ist bereits jenseits der Landesgrenzen aktiv, unter anderem in Spanien und Brasilien. Im kommenden Jahr widmet sich Door2Door einem weiteren Projekt – der Fußballeuropameisterschaft. Dann bieten die Gründer mit dem Autobauer VW nämlich ein Shuttlesystem für Stadionbesucher an. Das wird schwer genug: Das Turnier findet erstmals in zwölf Ländern gleichzeitig statt.