Brasilien setzt auf moderne Kläranlagen

 Immer noch wird in Brasilien zu viel Wasser verschwendet. Und so setzt das Land seine Hoffnungen nun nicht nur auf Entsalzungsanlagen und Klärwerke, sondern vor allem auf effizientere Verteilungssysteme.

April 2017
Autorin:  Gloria Rose

Fünf Jahre dauert die Dürre in Brasiliens nördlichem Bundesstaat Ceará nun schon an. Die Wasserspeicher sind nur noch zu 6,5 Prozent gefüllt. Obstbauern und Shrimpszüchter in der landwirtschaftlich geprägten Region entlang des Flusses Jaguaribe leiden unter den Rationierungen, die Exporte sinken.

Inzwischen ist auch die Versorgung der Metropolregion Fortaleza und des Industriekomplexes Pecem gefährdet. Kein Wunder, dass die Menschen es kaum erwarten können, bis die Kanäle endlich fertig sind, die künftig Wasser vom São-Francisco-Strom zu ihnen umleiten sollen.

Ein fertiges Teilstück des São Francisco River Projects: Die brasilianische Bundesregierung baut derzeit zwei Kanalsysteme, die Wasser aus dem Rio São Francisco nach Norden und Nordosten leiten sollen. | © Tomas Munita/NYT/Redux/laif

Das Wasser kommt allerdings wohl erst Ende 2017 nach Ceará. Der östliche der beiden Kanäle wird die ersten Gemeinden in den Staaten Pernambuco und Paraíba schon im ersten Quartal 2017 versorgen. Nicht nur die Bauern in Jaguaribe profitieren von dem Megaprojekt im Wert von insgesamt etwa 2,8 Milliarden Euro, sondern auch Landwirte am Piranhas-Açu-Fluss (Rio Grande do Norte). Allerdings leidet auch der São Francisco unter der Jahrhundertdürre. Umweltschützer sehen ihre Befürchtungen durch die historischen Tiefststände des Stroms bestätigt.

Landesweit verbraucht die landwirtschaftliche Bewässerung 54 Prozent des Wassers. Mit moderner Tropfbewässerung oder Sprühanlagen ließe sich die Effizienz erhöhen. Doch nach zwei Jahren Wirtschaftskrise sind die öffentlichen Kassen leer.

Also helfen sich die Landwirte zunehmend selbst. Zum Beispiel in den staatlich verwalteten Bewässerungsprojekten der Agrarentwicklungsbehörde São Francisco und Parnaíba: Die Bauern in Maniçoba investieren 2017 voraussichtlich etwa 650.000 Euro in neue Bewässerungssysteme.

Klärwerke sollen Abwässer aufbereiten

Die Regulierung der neuen Politik zur Bewässerungswirtschaft wird derzeit in den Ministerien behandelt. Gefördert werden die Investitionen bereits über das Programm REIDI Irrigação. Der Steuererlass kam Anfang 2017 vier Fazendas im Bundesstaat São Paulo zugute.

Die Investitionen der vier Großbetriebe in Tropfbewässerungssysteme belaufen sich auf insgesamt etwa 1,8 Millionen Euro. Immer noch wird in Brasilien zu viel Wasser verschwendet. Und so setzt das Land seine Hoffnungen nun nicht nur auf Entsalzungsanlagen und Klärwerke, sondern vor allem auf effizientere Verteilungssysteme.

»Viele Quellen sind noch gar nicht erschlossen: Abwasser etwa wird kaum aufbereitet.«

Gloria Rose, GTAI-Korrespondentin Brasilien

Selbst in den Städten werden Regenwasser und Abwasser bislang kaum genutzt. Seit der Wasserkrise 2014 machen sich immer mehr Politiker, Unternehmer und Verbände für neue Gesetze und Investitionsanreize stark.

Im Nordosten sind inzwischen die ersten Kläranlagen in den Gemeinden Santana do Seridó (Rio Grande do Norte) und Pesqueira (Pernambuco) entstanden. Sie sollen Abwasser für die Landwirtschaft aufbereiten. Auch in Ceará geht die Regierung inzwischen über Brunnenbau und Notleitungen hinaus.

In der Metropole Fortaleza investiert ein Konsortium, zu dem auch das französische Unternehmen Veolia gehört, in eine Wiederaufbereitungsanlage, die bis 2019 den Industriekomplex Pecem mit Wasser versorgen soll. In Mucuripe soll eine erste Entsalzungsanlage entstehen, und die Behörden planen die Aufforstung entlang wichtiger Fließgewässer.

Monitoringsystem inklusive App

Cearás Entwicklungsagentur Adece orientiert sich am Vorbild des US-Bundesstaats Kalifornien und setzt auf den Austausch von Klimadaten und Informationen über den tatsächlichen Wasserbedarf der Landwirte im Jaguaribe-Tal. Eine vom Forschungsinstitut Inovagri entwickelte Software soll helfen, Wasserverluste zu reduzieren. Derzeit bleiben etwa 20 Prozent des verfügbaren Wassers in der Jaguaribe-Region ungenutzt.

Aktuell richtet das Zentrum für Überwachung und Alarmierung bei Naturkatastrophen Cemaden ein weiteres Monitoringsystem ein – seit 2014 haben die Experten etwa 650 Klimastationen aufgebaut. Ein Ziel ist die umfassende Klimaüberwachung der landwirtschaftlichen Bedingungen im Nordosten.

Über die App Agrisupport des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse sollen die Agrarwirte Daten zum eigenen Anbau und zur Verfügbarkeit von Wasser weitergeben.