China macht Druck

Der Streit zwischen der Volksrepublik China und Litauen um die Namensbezeichnung der neuen Botschaft von Taiwan in Vilnius ist eskaliert. China boykottiert Waren und Vorprodukte aus dem baltischen Staat. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind insgesamt gering – einzelne Unternehmen aber hat es hart getroffen.

April 2022
Autor:innen: Christina Otte und Niklas Becker

Containerhafen im litauischen Klaipeda: Die Volksrepublik China blockiert seit Dezember 2021 den Im- und Export von Produkten aus dem Land. © Andrej Vasilenko/NYT/Redux/laif

Fast 300 deutsche Investoren sind in ­Litauen tätig. Zu den bekanntesten zählt Continental. Seit 2019 produziert der deutsche Automobilzulieferer im litauischen Kaunas. 2021 kündigte er einen Ausbau seines Werks in Kaunas an, will die Produktionskapazität glatt verdoppeln. Das Investitionsvolumen beträgt rund 90 Millionen Euro.

Die in Kaunas hergestellten Komponenten kommen bei der Fertigung im deutschen Werk zum Einsatz. Ein Teil der Endprodukte exportiert Continental anschließend nach China. Seit Dezember 2021 geht das aber nicht mehr. Denn die Volksrepublik hat Litauen aus seinem Zollsystem gestrichen und blockiert den Import von Produkten, die in Litauen gefertigt wurden oder litauische Komponenten enthalten. Auch der Export chinesischer Waren nach Litauen ist betroffen. Die chinesische Seite dementiert und schiebt technische Probleme als Gründe vor.

Hintergrund der Streitigkeiten ist ein ­bereits länger andauernder politischer Konflikt zwischen den beiden Staaten. Die Namensbezeichnung der im November 2021 neu eröffneten De-facto-Botschaft Taiwans in Vilnius führte zu einer Eskalation der Lage. Deutschland und die Europäische Union (EU) zeigen sich solidarisch mit Litauen und verurteilen das chinesische Vorgehen. Die EU hat bei der Welthandelsorganisation mittlerweile offiziell Beschwerde eingereicht.

Wirtschaftlichen Folgen überschaubar

Die wirtschaftlichen Folgen für Litauen sind jedoch überschaubar. 2021 kam das Reich der Mitte lediglich auf einen Anteil von 0,7 Prozent am litauischen ­Export. Deutlich stärker ins Gewicht fallen litauische Komponenten, die an Firmen in anderen EU-Staaten geliefert werden und in Waren zum Einsatz kommen, die für den chinesischen Markt bestimmt sind. Auch eine Reihe deutscher Unternehmen beziehen Komponenten aus Litauen. „Die deutsche Wirtschaft zählt zu den wichtigsten Handelspartnern Litauens und ist aktuell der größte ausländische Investor“, sagt Florian Schröder, geschäftsführender Vorstand der AHK Baltikum. „Aufgrund der engen Lieferverbindungen mit ­China war der Bereich Automotive von den ­Beeinträchtigungen besonders getroffen.“ Die Auswirkungen für die deutsche ­Wirtschaft dürften insgesamt allerdings eher gering ausfallen. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft ­kamen die litauischen Vorerzeugnisse in den aus Deutschland nach China exportierten Waren auf einen Anteil von 0,08 Prozent.

Doch auch wenn die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen für Deutschland wenig ins Gewicht fallen, sind einzelne deutsche Unternehmen – wie beispielsweise Continental – durchaus vom faktischen chinesischen Handelsembargo betroffen. Es sind Unternehmen, die ohnehin schon unter Lieferengpässen leiden. Das ­Vorgehen der chinesischen Regierung verschärft das Problem nun zusätzlich. Einige Firmen haben ihre Handelswege bereits an die veränderten Umstände angepasst. Eine Lösung des chinesisch-litauischen Konflikts ist Mitte März noch nicht absehbar. Auf diplomatischer Ebene werden allerdings fleißig Gespräche geführt.

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