Die Disruptoren

Place to be: Immer mehr Unternehmen setzen auf die innovative Atmosphäre von Clustern wie dem Silicon Valley in den USA. Sie wollen sich von denen inspirieren lassen, die ganze Wertschöpfungsketten auf den Kopf gestellt haben.

Juni 2020

D2iQ (ehemals Mesosphere) ist ein amerikanisches Technologieunternehmen mit Sitz in San Francisco, Kalifornien, das Software für Rechenzentren auf der Basis der Plattform Apache Mesos entwickelt.

Einst waren sie Schulkameraden, heute sind sie erfolgreiche Unternehmer in der San Francisco Bay Area: Die beiden Schweinfurter Tobias Knaup und Florian Leibert haben im Jahr 2013 ihre eigene Firma gegründet, nach Stationen bei Airbnb und Twitter. Erst kürzlich haben sie ihr Unternehmen von Mesosphere in D2iQ umgetauft. Mit ihrem speziell für Cloud-Umgebungen entwickelten Betriebssystem lassen sich die vielen einzelnen Server eines Rechenzentrums wie ein Gerät verwalten. „Ich glaube, dass die wenigsten Anwendungen heutzutage wirklich schon in der Cloud laufen“, sagt Leibert. Mit seinem Betriebssystem soll sich das ändern. Leibert erwartet, dass der Markt stark wachsen wird. Denn autonom fahrende Autos, digitale Assistenten und vernetzte Haushaltsgeräte erzeugen immense Datenmengen, und ein solches System verspricht Kontrolle.

Die beiden Deutschen hat es nicht ohne Grund ins Silicon Valley gezogen: Innovation Labs und Elitehochschulen wie die Stanford University sorgen für einen kräftigen Schub an bahnbrechenden Ideen. Die Anreize für Start-ups sind verlockend. Branchenkenner schätzen vor allem die im Vergleich zu Deutschland größeren Finanzierungsrunden, und dass es nur halb so lange von der Seed-Finanzierung eines ersten Prototyps bis zur Serie-A-Runde dauert, wenn Investoren richtig einsteigen.

Von der Nähe zu den Technologieführern, Gründern und Wagniskapitalgebern wollen auch deutsche Industrie- und Dienstleistungskonzerne profitieren. So hat die Deutsche Bank 2016 in Palo Alto ein Innovationszentrum gegründet. Auch SAP, RWE und andere börsennotierte Konzerne unterhalten im Silicon Valley firmeninterne Innovation Labs. Autobauer VW ist eine strategische Partnerschaft mit Microsoft eingegangen und zieht in Seattle gerade ein eigenes Entwicklungszentrum hoch. Konkurrent Daimler hat im Jahr 1995 als erster Autobauer überhaupt ein Zentrum für Forschung und Entwicklung im Silicon Valley eröffnet und unterhält dort einen hauseigenen Inkubator. Auch Zulieferer wie Brose sowie die Porsche-Tochter Porsche Digital betreiben im Valley Forschung und Entwicklung.

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Die Förderer: Staatliche Forschungs­förderung ist für Industrieforscher ein entscheidender Standort­faktor. In Frankreich gibt es sie in Hülle und Fülle. Das zieht auch deutsche Unternehmen und ihre F & E-Zentren an.

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