Nachhaltiger unterwegs

Der Verkehr gehört zu den großen Emissionsschleudern. Ohne eine Mobilitätswende wird die Klimawende nicht gelingen. Alternativen zu fossilen Brennstoffen werden händeringend gesucht. Eine Option sind klimaneutrale E-Fuels. Aber können sie tatsächlich die Lösung sein?

Juni 2022
Autorinnen: Anne Hünninghaus und Caroline Lindekamp, wortwert Köln

Der Elektroantrieb soll Autos aus der Schmuddelecke holen. Doch so vielversprechend er im Individualverkehr ist, so schnell stößt er in anderen Verkehrsbereichen an seine Grenzen. Schon Schwerlaster bekommen über Akkus nicht ausreichend Energie, Passagierflugzeuge würden kaum abheben können und Containerschiffe rein elektrifiziert keine Ozeane mehr überqueren.

Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, braucht es für alle Mobilitätsbereiche dringend Alternativen zu fossilen Brennstoffen. Schließlich soll allein der Verkehrs­sektor bis 2030 seine Treibhausgasemissionen um gut 40 Prozent reduzieren und so seinen Teil zum Klimaschutz beitragen. Und nicht zuletzt auch die extrem gestiegenen Preise für Benzin und Co. sorgen dafür, dass neben Biokraftstoffen zunehmend sogenannte E-Fuels in den Fokus rücken – in verschiedenen Branchen wie auch in der Politik. E-Fuels könnten ein wichtiger Baustein zur Einhaltung der Klimaschutzziele sein, bekannte Anfang des Jahres Bundesverkehrsminister Volker Wissing.

In ihrer Entwicklung sind E-Fuels bereits weit fortgeschritten und haben das Forschungsstadium längst verlassen. Der Technologie liegt Wasserstoff zugrunde. Bisher wurde dieser auf fossiler Basis produziert. Nun entsteht er synthetisch, indem ein Elektrolyseur Wasser- und Sauerstoff aufspaltet und das Gemisch mit Kohlendioxid aus der Umwelt anreichert. Das Verfahren läuft unter dem Schlagwort Power-to-X: Power für die beachtliche Menge Strom, die für die Aufspaltung nötig ist. X stellvertretend für die verschiedenen Endprodukte wie Power-to-Gas oder Power-to-Liquid.

Ob als Gas oder flüssiges E-Fuel: Die synthetischen Kraftstoffe werden über die bereits bestehende Infrastruktur getankt und lösen so Benzin, Diesel oder Kerosin unmittelbar ab. Bei der Verbrennung setzen sie dieselbe Menge Kohlendioxid frei, die es zuvor für ihre Herstellung brauchte. Damit sind sie zwar nicht treibhausgasfrei, aber immerhin treibhausgasneutral. Zumindest geht dieses Nullsummenspiel auf, wenn der Wasserstoff grün ist, also erneuerbare Energien die Produktion befeuert haben.