Ein blaues Wunder

In der Science-Fiction-Serie „Star Trek“ heilen Ärzte Wunden mit dem blau leuchtenden Dermal-Regenerator. Coldplasmatech hat nun ein Gerät entwickelt, das ähnlich funktioniert. Ein Pflaster gibt blau leuchtendes, kaltes Plasma ab und kann so die Wundheilung fördern.

Februar 2020
Autorin: Johanna Stein, wortwert

Gas wird zu kaltem Plasma, wenn man es mit Energie füttert – wie bei Polarlichtern, in Plasmafernsehern und Leuchtstoffröhren. Vier Forscher der Leibnitz-Gemeinschaft nutzen den exotischen Stoff für die Wundheilung. In der Fernsehserie „Star Trek“ gibt es einen Dermal-Regenerator, der mit blauem Licht Wunden verschließt. Im Prinzip, sagt Erfinder Carsten Mahrenholz, funktioniert sein Pflaster genauso. 2015 hat er es mit Kollegen entwickelt.

Der Markt ist riesig: In Deutschland leiden bis zu fünf Millionen Patienten an chronischen Wunden. Die herkömmliche Behandlung mit Verbänden dauert im Durchschnitt fast vier Jahre und kostet jedes Jahr rund acht Milliarden Euro, schreibt das Deutsche Ärzteblatt. Das Plasmapflaster von Coldplasmatech soll „nur einen Bruchteil“ dieser Kosten verursachen, sagt Gründer Mahrenholz.

Carsten Mahrenholz mit seiner Erfindung, dem Plasmapflaster für chronische Wunden. © Jürgen Jehle/Kammann Rossi

Plasma hat erwiesenermaßen ein großes medizinisches Potenzial. Menschliche Zellen schütten bei einer Plasmabehandlung Botenstoffe aus und bewegen sich schneller (Zellmigration). Selbst multiresistente Bakterien und Pilze sterben innerhalb von Sekunden. Die Wundauflage von Coldplasmatech ist per Kabel an ein Gerät angeschlossen. Eine Behandlung dauert circa zwei Minuten.

Mitte 2019 erhielt Coldplasmatech die Zulassung zum Medizinproduktehersteller, jetzt arbeitet das achtköpfige Team an der CE-Kennzeichnung für elektrische Geräte. Mahrenholz will die Plasmamedizin als Standardtherapie etablieren: „Die Topländer dafür sind erst einmal Deutschland, Europa, Japan und die USA.“ Wie in „Star Trek“ heißt es dann auch in der Wundbehandlung: „Energie!“