Elektrisierende Partnerschaft

Schweden ist 2019 Partnerland der Hannover Messe, und das nicht ohne Grund: Schwedische und deutsche Firmen testen etwa Elektrofahrzeuge und Akkutechnik. Eine Digitalisierungsinitiative soll nun auch Mittelständler für das Land begeistern.

März 2019
Autor: Michal Wozniak

Der Diesel-Hybrid-Laster kommt von Scania, die elektrische Oberleitung von Siemens. Der Lkw-Hersteller und der Anlagenbauer testen das Konzept auf einer Autobahn nördlich von Stockholm. © Scania CV AB

Hinter den Toren moderner Lagerhäuser ist es normal, dass Roboterkarren Waren wie von Geisterhand bewegen, elektrisch angetrieben und ganz ohne Fahrer. Das schwedische Start-up Einride will solche autonomen Elektrolastwagen nun auch im Freien einsetzen – und in Groß. Im Sommer 2018 hat Einride den Lkw T-Pod vorgestellt: Er ist vollelektrisch und vor allem fahrerlos, und er soll 20 Tonnen Ladung bis zu 200 Kilometer weit befördern. In die Alltagserprobung geht er mit deutschen ­Partnern.

Logistiker DB Schenker setzt den Laster an seinem Standort in Jönköping bereits seit einigen Monaten ein. Dank künstlicher Intelligenz findet sich der T-Pod sowohl auf dem Gelände der beiden dortigen Lagerzentren der Firma zurecht, als auch auf den öffentlichen Straßen dazwischen. Und falls er allein mal nicht weiterkommt, wacht ein Ingenieur im Kontrollzentrum über den T-Pod und kann ihm ins Lenkrad greifen – bei bis zu 20 Fahrzeugen gleichzeitig. „Wir wollen den nachhaltigen und kosteneffizienten Transport von morgen schaffen“, sagt Mats Grundius, CEO der schwedischen Schenker-Tochter. „Die Zusammenarbeit mit Einride ist ein großer Schritt in diese Richtung.“ Lidl arbeitet in Schweden ebenfalls mit Einride zusammen. Der Discounter will den fahrerlosen T-Pod zwischen seinem Zentrallager in Halmstad und einer vier Kilometer entfernten Filiale fahren ­lassen.

GTAI auf der Hannover Messe

Exportexperten für Sie vor Ort

Germany Trade & Invest (GTAI) ist 2019 in Halle 27 an Stand B30/2 auf der Hannover Messe vertreten. An unserem Stand in der Invest­ment Lounge beantworten unsere Experten Ihre Fragen rund um Ihr internationales Geschäft. Gemeinsam mit den Partnern Deutsche Messe AG, Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Amerikanischen Handelskammer AmCham veranstaltet GTAI am ersten Messetag (1. April) um 14 Uhr das USA-Forum. Am 2. April richtet GTAI zusammen mit dem DIHK eine Veranstaltung zum Partnerland Schweden aus.

Weitere Informationen finden Sie unter www.gtai.de/hannover-messe

Partner in Sachen Innovation

Die Zukunft der Mobilität ist ein wichtiger Bestandteil der deutsch-schwedischen Innovationspartnerschaft, die beide Länder Anfang 2017 vereinbart haben. Auch in ­Sachen Digitalisierung, E-Health und wissenschaftliche Testumgebungen (Testbeds). „Momentan sind die Möglichkeiten für einen weiteren Austausch zwischen Schweden und Deutschland enorm“, haben die Botschafter beider Länder, Hans-Jürgen Heimsoeth und Per Thöresson, unlängst in einem gemeinsamen Beitrag für die Zeitung „Sydsvenskan“ geschrieben. Es passt aus ihrer Sicht gut, dass Schweden in diesem Jahr Partnerland der Hannover Messe ist.

Tech Forum hat Mittelständler im Blick

Die Deutsch-Schwedische Handelskammer hat mit der Königlichen Schwedischen Akademie der Ingenieurwissenschaften das German-Swedish Tech Forum ins Leben gerufen. Im Mittelpunkt stehen kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), denen es sichtlich schwerer fällt, mit innovativen Produkten international Fuß zu fassen. „Mit dem Forum wollen wir vor allem sie mitnehmen und stärker einbinden“, unterstreicht Kammergeschäftsführer Ralph Tischer.

Um die Unternehmen zu motivieren, gibt es auch Fördermittel. So stellt beispielsweise das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand und in Zusammenarbeit mit der schwedischen Innovationsagentur Vinnova bis zu 300.000 Euro pro Vorhaben zur Verfügung. Zielgruppe sind KMU aus beiden Ländern, die gemeinsam zu Industrieprojekten forschen oder experimentelle Forschung und Entwicklung betreiben wollen – gern auch gemeinsam mit ­Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen.

Zahlen & Fakten

3,3 %

des schwedischen Bruttoinlandsproduktes fließen jährlich in Forschung und Entwicklung – Europarekord!

1 Mrd. Euro

sicherten sich schwedische Start-ups im Jahr 2017 von mehr als 570 Investoren.

Platz 2

belegt Schweden im Ranking der innovativsten Länder 2018 von Insead, Cornell University und der Uno.

Quellen: Eurostat, Industrifonden „Swedish Tech Funding Report 2017“, Bloomberg „Innovation Index 2018“

Teststrecke für Hybridlastwagen

Siemens testet seit Sommer 2016 in Schweden zwei Hybridlastwagen im Warenfernverkehr. Die Lkw kommen von Volkswagen-Tochter Scania, die Finanzierung vom schwedischen Transportamt Trafikverket und der Gemeinde Gävleborg. Der Clou: Statt aus dem Akku kommt der Strom auf einem zwei Kilometer langen Streckenabschnitt aus der Ober­leitung.

Die deutsch-schwedische Zusammenarbeit scheint Siemens zu gefallen: Auf einer zweiten Teststrecke im Hafen von Los Angeles kooperiert der deutsche Konzern mit der Volvo-Tochter Mack und hat auch den Heimatmarkt im Blick: Anfang 2019 soll der erste Test in Deutschland anrollen. Für das Projekt Elektrifizierter, innovativer Schwerverkehr auf Autobahnen (Elisa) baut der Konzern einen Abschnitt der Autobahn A5 zwischen Darmstadt und Frankfurt am Main entsprechend aus.

Autobauer BMW und der belgische Recyclingspezialist Umicore arbeiten derweil mit dem schwedischen Start-up Northvolt an nachhaltigen Akkus für Elektrofahrzeuge. Ziel ist ein geschlossener und möglichst umweltneutraler Batterielebenszyklus: vom recycelbaren Zelldesign und erneuerbaren Energien in der Produktion über ein zweites Leben der E-Autobatterien als stationäre Energiespeicher bis zur Wiederverwertung der Rohstoffe.

»Viele schwedische Unternehmen erreichen globale Märkte durch die ­Zusammenarbeit mit deutschen Partnern.«

Ann Linde
schwedische Ministerin für Handel und Europa

Testlabor für nachhaltige Akkus

Das BMW-Kompetenzzentrum Batteriezelle in München steuert seine Expertise zu den Themen Material und Zelldesign bei. Umicore bringt sein Know-how in der Produktion aktiver Materialien für Batteriezellen und Recycling ein. Seit Mai 2018 ist das Forschungszentrum Northvolt Labs in Västerås im Bau. Dort sollen Entwickler die Produktionsprozesse verfeinern und die Massenfertigung vorbereiten. Das Ziel: Der Automobilhersteller will unabhängiger von den Produzenten der derzeit gängigen Lithium-­Ionen-Akkus werden.

Beliefert wird die Zellproduktion von Northvolt im schwedischen Skellefteå durch das Umicore-Kathodenwerk im polnischen Nysa, dessen Eröffnung für 2020 angekündigt ist, mit Jahreskapazitäten von acht Giga­wattstunden. Einen Teil der Produktion will BMW dann zu fertigen Batteriepacks zusammensetzen und in zukünftigen Elektromodellen verbauen. Die Bayern wären sicher nicht die Letzten, die Schweden erfolgreich zum Testlabor machen würden.