»Frauen haben nicht die gleichen Möglichkeiten.«

Interview mit Rosemarie Kay, stellvertretende Ge­schäftsführerin des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn. Sie erklärt, warum Frauen in Deutschland immer noch so selten die Nachfolge in Familienunternehmen antreten.

Markets International: Welche Rolle spielen Frauen bei der Unternehmensnachfolge in Deutschland?

Rosemarie Kay: Sie spielen eine geringere Rolle, weil Frauen immer noch seltener unternehmerisch aktiv sind als Männer. So gehört nur etwa jedes fünfte Familienunternehmen einer Frau und wird von einer Frau geführt. Und nur ein Viertel der Nachfolger sind Frauen. ­Dabei stellen sie mittlerweile fast jede zweite erwerbstätige Person.

Stehen Frauen, die die Nachfolge in von Männern geführten Familienunternehmen antreten, vor besonderen Herausforderungen?

Das kommt ganz auf das Unternehmen an. Wenn Belegschaft, Kunden und Lieferanten des übernommenen Unternehmens bereits an Frauen an der Spitze des Unternehmens gewöhnt sind, ist das weniger ein Problem. Oder wenn Unternehmerinnen in einer Branche ein gewohntes Bild sind. Andernfalls wird es Frauen etwas größere Anstrengungen abverlangen, die Stakeholder des Unternehmens, vielleicht auch Teile der Unternehmerfamilie, von der eigenen Befähigung zu überzeugen.

Was müsste aus Ihrer Sicht geschehen, damit mehr Frauen Unternehmen übernehmen?

Frauen streben nach wie vor seltener als Männer eine Karriere als Unternehmerin an. Die gesellschaftliche Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern, das darauf ausgerichtete Steuer- und Sozialsystem, all das bietet Frauen wenig Anreize für eine unternehmerische Tätigkeit. Solange Frauen nicht die gleichen Möglichkeiten haben wie Männer, sich zwischen selbstständiger und abhängiger Beschäftigung zu entscheiden, werden Frauen auch seltener als Männer für die Nachfolge zur Verfügung stehen.

© IfM Bonn

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