Fußbett mit Riemchen

Markus Schott produziert in seiner Werkstatt in Homberg orthopädische MaßFlipflops. Aus der ungewöhnlichen Idee hat sich eine Trendmarke entwickelt.

Oktober 2017
Autor:  Udo Trichtl, wortwert

Eigentlich wollte Markus Schott den Familienbetrieb nicht übernehmen. Sein älterer Bruder hatte sich zum Glück dafür gemeldet, die Firma Schott Orthopädie-Schuhtechnik weiterzuführen. Markus konnte also Karosserie- und Fahrzeugmechaniker lernen. Dann entschloss sich der Stammhalter überraschend, nach Australien auszuwandern. Und sein kleiner Bruder machte das Beste draus: Er gründete die Firma myVale.

Heute verkauft er gesunde Flipflops nach Maß, 60.000 Paare bisher. Damit macht er 90 Prozent des Firmenumsatzes. Für die innovative Geschäftsidee erhielt Schott bereits mehrere Auszeichnungen, darunter den Hessischen Gründerpreis 2013.

Markus Schott (43) hatte am Strand von Sydney die Idee: Warum nicht Flipflops mit individuellem, orthopädischem Fußbett herstellen? | © Jürgen Jehle/Kammann Rossi

Die Idee kam ihm ausgerechnet während eines Besuchs bei seinem Bruder in Sydney, Mitte der 1990er. Australier tragen ständig Zehensandalen. Dem Sohn eines Orthopädieschuhtechnikers ist gleich klar: Besonders gesund sind die Plastikdinger nicht.

Seine Idee: orthopädisch wertvolle Flip­flops herzustellen, die auch noch trendig aussehen. Zurück im nordhessischen Homberg macht er sich sofort an die Arbeit. Im 1888 gegründeten Familienbetrieb entwirft Schott die ersten Prototypen. Sein Vater war zunächst alles andere als begeistert. „Schuster, bleib bei deinem Leisten“, habe er zu ihm gesagt, erinnert sich Schott.

Doch er ließ sich nicht beirren. Gemeinsam mit dem Orthopädietechniker Henry Schmidt entwickelte er die Marke myVale und präsentierte die ersten Sandalen 2008 am Hessentag. Seitdem können Kunden im Onlineshop zwischen bestehenden Modellen wählen oder die Maßsandalen online selbst entwerfen: aus 35 Millionen Kombinationsmöglichkeiten.

Nach der Bestellung bekommt der Kunde eine mit Spezialschaumstoff gefüllte Box für den Fußabdruck. Der wird dann in der Werkstatt digitalisiert und anschließend aus speziellem Einlagenschaum maschinell gefräst. Nach fünf Stunden und 25 Arbeitsschritten ist die Maßsandale fertig. Ein Paar kostet je nach Material zwischen 120 und 400 Euro. Mit den Gummisandalen am Strand von Sydney haben sie dafür aber wahrlich nichts mehr zu tun.