Großzügige Hilfen

Frankreich setzt auf Kreditgarantien, Kurzarbeitergeld und Soforthilfen. Geld spielt dabei keine Rolle, Hauptsache die Wirtschaft kommt wieder auf die Beine. Das Paket soll nicht nur die Konjunktur wiederbeleben, sondern auch den Klimaschutz vorantreiben.

Oktober 2020

»Frankreich will dem Klima und der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie helfen. Fast kein Sektor bleibt außen vor.«

Peter Buerstedde,
GTAI-Korrespondent Paris

Quoi qu’il en coûte – egal, was es kosten mag: Nach der Maßgabe von Präsident Emmanuel Macron, die Wirtschaft zu schützen, hatte Frankreich parallel zum Lockdown Mitte März ein großzügiges Hilfsprogramm mit Kreditgarantien, Kurzarbeitergeld und Soforthilfen aufgelegt. Mit der Lockerung seit Mitte Mai zielen neue Hilfsmaßnahmen auf einzelne als besonders strategisch erachtete Branchen, die besonders unter der Krise leiden wie Automobil, Luftfahrt, Tourismus und Start-ups.

Die Regierung beziffert die Hilfen der ersten zwei Phasen auf 460 Milliarden Euro beziehungsweise 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, darunter Kreditgarantien bis zu einem Gesamtvolumen von 300 Milliarden Euro und die Stundung von Steuern und Abgaben. Immerhin 58 Milliarden Euro sind neue Budgetmittel.

Der neue Premierminister Jean Castex hat Anfang Juli bereits ein drittes Hilfspaket von rund 100 Milliarden Euro ab September für die Wiederbelebung der Wirtschaft verkündet. Es soll – wie auch schon die Sektorhilfen der zweiten Phase – nicht nur das Wachstum in vielen Branchen beleben, sondern den Klimaschutz vorantreiben sowie die industrielle Wertschöpfung im Land bewahren und wenn möglich ausbauen.

Frankreich:

Bruttoinlandsprodukt: 2,8 Billionen US-Dollar

Coronahilfen: 545 Milliarden US-Dollar

Der Staat hilft, die Firmen investieren

Für die Kfz-Industrie gibt es höhere Kaufboni, besonders für Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride. Auch Verschrottungsprämien wurden eingeführt. Gleichzeitig erhalten Zulieferer über Hilfsfonds von einer Milliarde Euro Liquidität und Investitionszuschüsse für Automatisierungs- und Digitalisierungsprojekte. Im Gegenzug will die Industrie bis 2025 eine Million Elektrofahrzeuge pro Jahr in Frankreich herstellen. Renault hat im Rahmen der Staatsbeteiligung von rund sechs Milliarden Euro zugesagt, die Montage von Elektromotoren nicht in China, sondern in Frankreich anzusiedeln.

Auch Air France muss seine Flotte erneuern, nach der Rettung durch Kreditgarantien für sieben Milliarden Euro. Das hilft nicht nur Airbus und der Zulieferindustrie, sondern durch den Einsatz sparsamerer Flugzeuge auch dem Klima. Beschaffungen der Streitkräfte werden vorgezogen. Außerdem soll mit Forschungshilfen bis 2030 ein mit Wasserstoff betriebenes oder hybrides Flugzeug in Frankreich entwickelt werden.

Bei den geplanten Hilfen kommen die Stärkung der heimischen Industrie und der Klimaschutz zusammen. Mit 20 Milliarden Euro sollen die Gebäudeeffizienz gefördert werden, der Bausektor und das Handwerk. Um Industriefirmen im Land zu halten und andere anzulocken, will Frankreich bereits ab 2021 Unternehmenssteuern um insgesamt zehn Milliarden Euro senken.