Grüne Kaffeerevolution

Die Kaffeemaschine von Hans Stier ist ein Unikat: Sie kann nicht nur mahlen und brühen, sondern sogar Kaffeebohnen rösten. Mit seinem Start-up Bonaverde will der Unternehmer die Welt des Kaffees revolutionieren.

Dezember 2017
Autorin:  Annika Fröhlich, wortwert

An diesem Morgen im Jahr 2013 geht Hans Stier ganz normal zur Arbeit. Sein Job bei einer Großkanzlei ist stressig, deshalb gönnt er sich vorher gerne einen Kaffee. Doch heute ist etwas anders. Denn als Stier in seinem Lieblingscafé eintrifft, hat der Verkäufer gerade seine Röstmaschine repariert und röstet Bohnen direkt vor Ort.

Stier ist Feuer und Flamme, der Kaffee schmeckt ihm fantastisch. Noch in derselben Nacht kündigt er. Sein neues Ziel: eine Kaffeemaschine zu entwickeln, die nicht nur mahlt und brüht, sondern auch röstet.

Von der Großkanzlei ins Start-up: Hans Stier fand Kaffee aus frisch gerösteten Bohnen so fantastisch, dass er sofort seinen Job kündigte und neu anfing. | © Jürgen Jehle/Kammann Rossi

Bonaverde heißt das Start-up, das Hans Stier anschließend gründet. Der Name kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Gutes Grün“. Dem Juristen geht es dabei auch um fairen Handel: Er hat einen Onlinemarktplatz für Kaffeebauern gegründet, sodass die Kaffeebohnen ohne Zwischenhändler direkt an Endkunden verkauft werden können.

Für die Bauern erhöht sich so der Gewinn. Das Konzept kam gut an: Per Crowdfunding erhielt Stier die nötige finanzielle Unterstützung, um mit der Entwicklung seiner Röst-Mahl-Brüh-Maschinen zu beginnen. Nach der ersten Crowdfunding-Runde folgten noch drei weitere, bis die Maschine Mitte 2017 auf den Markt kam. „Wir mussten viel ausprobieren, bis wir eine Maschine hatten, die auch für den Dauerbetrieb in Büros oder Cafés geeignet ist“, sagt Stier.

Zehn Mitarbeiter beschäftigt Bonaverde inzwischen in Berlin und New York. Außerdem arbeitet das Start-up mit Ingenieuren in Südkorea und China zusammen. In Nicaragua beschäftigt Bonaverde einen Spezialisten für die Beschaffung der Kaffeebohnen. Die grünen Früchte müssen die Kunden extra kaufen, und sie müssen von ­Bonaverde sein, sonst funktionieren die Maschinen nicht.

Mit den Bohnen erhalten Käufer eine Karte mit RFID-Chip, auf dem gespeichert ist, wie lange und wie die Bohnen geröstet werden müssen. Die Karte überträgt die Infos direkt an die Maschine, eine manuelle Steuerung gibt es nicht. Billig ist das nicht: Die Maschine kostet 799 Euro, 45 bis 65 Gramm Bohnen zwischen einem und sechs Euro, weil die Kaffeebauern die Preise festsetzen. „Eben wie ein Espresso an der Bar“, sagt Stier.