Guinea baut auf Bauxit

Im westafrikanischen Guinea spielt sich ein Run auf eine der weltweit größten ­Lagerstätten von Bauxit ab. Deutsche Unternehmen sind als Zulieferer gefragt – allerdings müssen sie beim Organisieren des Transports viel Zeit einplanen.

April 2018
Autor: Carsten Ehlers

Von dem Bauxit erhoffen sich Investoren gute Geschäfte. Die Bevölkerung hofft indes auf Strom, Wasser und Arbeit – mit wenig Aussicht auf Erfolg. Stattdessen kämpfen die Menschen mit Umweltproblemen.

© Jean Claude MOSCHETTI/REA/laif

Charbel Bedran sitzt voller Optimismus in seinem Büro in der guineischen Hauptstadt Conakry. Der Libanese leitet das örtliche Büro des Baumaschinenhändlers HMD Forewin und hat die Aktivitäten internationaler Investoren in dem westafrikanischen Land fest im Blick. Hier fließen mehrere Milliarden US-Dollar in den Abbau von Bauxit, das weltweit sehr gefragt ist, weil es für die Herstellung von Aluminium benötigt wird. „In den nächsten Jahren wird die Nachfrage nach Minenausrüstungen und Baumaschinen deutlich zunehmen“, sagt Bedran. „Nicht nur für die Minen, sondern auch für Infrastruktur­projekte.“

Experten sprechen vom weltweit größten Zubau an Minenkapazitäten, der sich in Guinea vollzieht. Vor allem in China ist der Bedarf nach Bauxit groß: Angeblich will das Reich der Mitte in ein paar Jahren 50 Millionen Tonnen jährlich aus Guinea importieren. Neben Chinesen tummeln sich in Guinea auch Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indien und Russland.

Die nötige Infrastruktur fehlt

Noch fehlt es allerdings an der nötigen Ausstattung, um diese Mengen ans Tageslicht zu befördern. Für die Minen müssen Schaufelradbagger, Erdbewegungsmaschinen und Förderanlagen beschafft werden. Auch bei der Versorgungsinfrastruktur gibt es noch großen Bedarf: Dort fehlen Stromgeneratoren, Wasserleitungen und Pumpen sowie Unterkünfte. Zudem mangelt es an Infrastruktur für den Abtransport des Bauxits: Bahnlinien werden modernisiert oder neu gebaut, dafür braucht Guinea Waggons, Lokomotiven und Signaltechnik. Auch Lastkraftwagen werden in großen Mengen geordert. Zulieferchancen für Ausrüstungen bestehen nicht zuletzt beim Bau mehrerer Verladeterminals, in die Minenbetreiber investieren.

Etwa 6.000 Kilometer nördlich von Conakry sitzt Asmus Seubert in seinem Büro in der Hamburger Innenstadt. Seubert ist Manager beim Schifffahrtsunternehmen Incotrans und hat sich auf große Stückguttransporte per Schiff spezialisiert. „Die Lieferungen für Minenprojekte in Guinea haben seit Kurzem deutlich zugenommen“, meint er. „Zulieferer wollen insbesondere wissen, wer die Subunternehmer der Investoren sind. Denn die kaufen die Ausrüstungen ein.“ Während der russische Aluminiumhersteller Rusal und die chinesischen Investoren ihre eigenen Bezugsquellen haben, beauftragen Unternehmen wie Compagnie des Bauxites de Guinee (CBG), Guinea Alumina Corporation (GAC) und Alufer lieber international bekannte und renommierte Firmen wie Fluor aus den USA, Wilson Bayly Holmes und Stefanutti aus Südafrika oder Bouygues aus Frankreich.

Für Zulieferer gilt: Sie sollten den Seetransport frühzeitig einplanen. „Insbesondere der Hafen in Kamsar, von dem aus mehrere Minen im Hinterland bedient werden, ist nicht immer leicht anzulaufen“, meint Schifffahrtsunternehmer Seubert. Kamsar wird nicht von Linienschiffen angesteuert, und es gibt Zugangsbeschränkungen für Länge und Tiefgang der Schiffe, die den Transport deutlich verteuern.