Impulse von oben

Die ägyptische Regierung unterstützt Unternehmen indirekt – etwa durch vergünstigte ­Kredite und Steuerstundungen. Das Hilfspaket ist vergleichsweise überschaubar. Dennoch können ­deutsche Firmen daran teilhaben, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen.

Oktober 2020

»In Ägypten trifft ein verschuldeter, aber flüssiger Staat auf eine geschwächte Privatwirtschaft.«

Sherif Rohayem,
GTAI-Korrespondent Kairo

Die ägyptische Regierung hat ein Coronahilfspaket in Höhe von 6,3 Milliarden US-Dollar geschnürt. Hauptsächlich handelt es sich um indirekte Unterstützungen wie vergünstigte Branchenkredite, Steuer- und Kreditstundungen sowie reduzierte Strom- und Gaspreise für die Industrie. Trotz dieser eher überschaubaren Hilfen wird Ägypten wohl an einer Rezession vorbeischrammen.

Dazu trägt gerade der vergleichsweise moderate Lockdown bei. Die Ägypter sind gegenüber strengeren Maßnahmen sehr kritisch eingestellt. In Deutschland machten die Öffnungsdiskussionen erst nach mehreren Wochen des Social Distancing Schlagzeilen. In Ägypten dagegen folgten die Debatten dem Lockdown auf dem Fuß.

Ägypten:

Bruttoinlandsprodukt: 250,9 Milliarden US-Dollar

Coronahilfen: 6,3 Milliarden US-Dollar

Regierung setzt Wirtschaftsimpulse

Die wichtigste Maßnahme war die dreiprozentige Leitzinssenkung im März. Diese kann sogar zu strukturellen Änderungen führen. Nach der Kursfreigabe der ägyptischen Währung Ende 2016 waren zunächst Leitzinserhöhungen nötig gewesen. Andernfalls wäre die Inflation wohl explodiert. Wie erwartet haben die hohen Kreditkosten private Investitionen abgewürgt. Positiver Nebeneffekt: In einer Welt niedriger Zinsen war Ägypten nun ein Hochzinsland. Gleichzeitig hatte sich die Regierung mit dem Abbau von Subventionen und anderen Einsparungen den Ruf eines verlässlichen Schuldners erarbeitet.

Fortan erfreuten sich ägyptische Staatsanleihen großer Beliebtheit. Devisen in Milliardenhöhe flossen in die Staatskasse, von dort aus in den Schuldendienst, aber eben auch in die neue Verwaltungshauptstadt und andere Großprojekte. Das Top-down-Modell, in dem die Regierung die entscheidenden Wirtschaftsimpulse setzt, hatte sich manifestiert.

Die jüngsten Leitzinssenkungen könnten daher den Anfang einer Verlagerung von einer staatlichen Finanzwirtschaft hin zu einer privaten Realwirtschaft markieren. Dafür müssten aber noch weitere Senkungen folgen. Denn nach wie vor ist das Zinsniveau mit 9,75 Prozent sehr hoch.