»Energieeffizienz ist wichtiger denn je«

Interview mit Julia Braune, Geschäftsführerin von German Water Partnership e.V.

April 2022
Interview: Benedict Hartmann

Abwassertechnik spielt in der Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle. Julia Braune, Geschäftsführerin von German Water Partnership e. V., gibt einen Einblick in die deutsche Wasserwirtschaft.

© German Water Partnership e.V.

Markets International: Welches sind die Haupt-Trends in der Abfallbranche und Abwasserentsorgung?

Julia Braune: Der Trend zur Energieeffizienz besteht fort und ist angesichts der steigenden Energiebedarfe und -preise und dem erklärten Ziel der Klimaneutralität wichtiger denn je. Es geht daneben vor allem um die Rückgewinnung von Rohstoffen und die ständige Verringerung von Umweltbelastungen – geschlossene Kreisläufe und Wiederverwertung spielen eine entscheidende Rolle. Wir wollen Emissionen sowie nicht mehr verwertbare Endprodukte weitestgehend minimieren, wo möglich eliminieren. Hier haben die Unternehmen der Wasser- aber auch der Recyclingwirtschaft in den vergangenen Jahren viel dazu gelernt. Es entstehen immer mehr innovative Lösungen für eine Circular Economy und speziell in der Wasserwirtschaft gewinnt das Thema Reuse an Bedeutung. Im Rahmen der vom BMUV durch die Exportinitiative Umwelttechnologien geförderten BLUE PLANET Berlin Water Dialogues im November letzten Jahres wurden das Thema Reuse und verschiedenste damit verbundene deutsche und internationale Projekte mit hoher internationaler Beteiligung präsentiert und diskutiert. Solche Austauschformate sind immens wichtig und tragen dazu bei, dass sich Vertreter aus der Wissenschaft und Industrie weltweit miteinander vernetzen, denn nur gemeinsam und länderübergreifend werden wir die große globale Herausforderung unserer Zeit – den nachhaltigen Umbau unserer Wirtschaft unter dem Gesichtspunkt der bestmöglichen Bewahrung der natürlichen Ressourcen – bewältigen.

Welchen Beitrag leistet eine richtige Wasserverwertung für den Klimaschutz?

Die Wasserwirtschaft kann einen großen Beitrag zu Energieeinsparungen und insbesondere zur Energie- und Ressourcenrückgewinnung leisten, denn wasserwirtschaftliche Anlagen sind vergleichsweise energieintensiv. Wasser muss gefördert, verteilt und über Höhenunterschiede gepumpt werden, und auch die Abwasseraufbereitung benötigt Energie. Darüber hinaus sind die Vorräte natürlicher Ressourcen nicht nur begrenzt, sondern rückläufig. Hier liegen enorme Potentiale. Wichtige Stoffe wie Stickstoff und Phosphor können beispielsweise über den Klärschlamm zurückgewonnen werden. Diese Potenziale gilt es konsequent zu heben, nicht nur in Europa, sondern gerade auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern.

Welche Vorzeigeprojekte gibt es?

German Water Partnership e.V. unterstützt u.a. das vom BMUV im Rahmen der Exportinitiative Umwelttechnologien geförderte und von der TU Berlin sowie weiteren Partnern durchgeführte Projekt „ATLANTIS“. Hier geht es darum, anhand einer Machbarkeitsstudie aufzuzeigen, wie Kläranlagen in Ägypten durch Umrüstung zur Rückgewinnung von Energie und Nährstoffen genutzt werden können. Durch die Kombination von Biogasproduktion mit dem Einsatz von Photovoltaik und energiesparenden Anlagenkomponenten wird dabei dargestellt, welche Potenziale der Energieeinsparung wie auch der Energiegewinnung Kläranlagen aufweisen und wie diese zu Netto-Stromerzeugern werden können. Zusammen mit dem gereinigten Abwasser können zurückgewonnene Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor über die Bewässerung der Landwirtschaft wieder der Nahrungskette zugeführt werden. Solche Projekte haben Leuchtturmcharakter und leisten einen wichtigen Beitrag zu einem globalen Wissenstransfer.

Wie mischen deutsche Firmen mit?

Deutsche Unternehmen zeichnen sich stark durch innovative Konzepte und Komponenten mit langen Lebenszyklen aus. Zudem sind in Deutschland entwickelte Produkte und Anlagen oft nicht nur sehr langlebig, sondern auch energieeffizient, wodurch sich ein im Vergleich höherer Investitionsbedarf über den Lebenszyklus des Produkts amortisiert. Dies ist leider gerade im internationalen Kontext im Rahmen von Ausschreibungen nicht immer gut zu „verkaufen“. Oft ist bei Ausschreibungen der Einkaufspreis ausschlaggebend. Wir setzen uns dafür ein, dass Investitionsentscheidungen langfristig betrachtet und bewertet werden. Nur so kann man wirklich beurteilen, welcher Einkauf am Ende kostengünstiger war. Wenn sie ein Produkt ständig warten oder schon nach wenigen Jahren ersetzen müssen, dann ist das weder kostengünstig noch nachhaltig im Sinne der Umwelt- und Ressourcenschonung. Die deutschen KMU haben neben dem Kostenfaktor oft Nachteile durch die sehr dezentrale Struktur in der deutschen Wasserwirtschaft. Es gibt viele spezialisierte Anbieter einzelner Komponenten, aber nur wenige große Unternehmen, die dem Kunden, z.B. im Anlagenbau, alles aus einer Hand bieten und als Generalunternehmer fungieren können. Hier kann German Water Partnership e.V. kleineren und mittleren Komponentenherstellern als Netzwerk helfen, geeignete Partner auch in Deutschland zu finden, um gemeinsam in einem Konsortium international erfolgreich zu agieren.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung in der Wasser- und Abwasserwirtschaft?

Eine sehr große Rolle. Um mit den Auswirkungen und Folgen des Klimawandels in der Wasser- und Abwasserwirtschaft umzugehen, ist die Digitalisierung und damit die Vernetzung von Daten und Systemen unabdingbar. Dadurch können Ressourcen optimal genutzt und geschont, Energieverbräuche gesteuert sowie Vorkehrungen für beispielsweise Extremwetterereignisse automatisiert vorgenommen werden. Den auch jetzt schon verfügbaren Daten zur Abwasserbeschaffenheit und dem Verbrauchsverhalten kommt eine große Bedeutung zu, ihre verantwortungsvolle und sichere Nutzung wird letztlich der Schlüssel zu mehr Resilienz in der Wasserwirtschaft sein.

Vielen Dank für das Interview!

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