»Was nachhaltig aussieht, ist nicht immer nachhaltig«

Petra Fix, zuständig für Nachhaltigkeitskommunikation beim Schokoladenhersteller Alfred Ritter, im Gespräch mit Markets International.

April 2021
Interview: Jenny Eberhardt

Markets International: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für die Alfred Ritter GmbH & Co. KG und wie lange schon?

Petra Fix: Das Thema liegt uns sozusagen in der DNA. Nicht nur, dass wir als Familienunternehmen in Generationen und nicht in Quartalszahlen denken dürfen, sondern auch ganz besonders in der Unternehmenskultur, die sehr stark von der Familie Ritter geprägt ist. Der nächsten Generation ein lebenswertes Umfeld zu hinterlassen, ist vielleicht gerade dann, wenn man ein Naturprodukt wie Kakao verarbeitet, besonders im Blickfeld. Nur ein paar kleine Bausteine der Vergangenheit: Anfang der 1980 haben wir ein erstes Öko-Audit unternommen, seit 1990 arbeiten wir mit Kakaobauern in Nicaragua zusammen und fördern den nachhaltigen Kakaoanbau, 2002 haben wir unseren Strombezug auf Ökostrom umgestellt und im selben Jahr unser erstes Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen… Dies waren die ersten Schritte zur CO2-neutralen Produktion, die wir dann 2019 erreicht haben, 2012 100-jähriges Bestehen, 2012 Start der eigenen Kakaofarm in Nicaragua: über eine Million Kakaobäume und rund 30.000 Schattenbäume haben wir seither gepflanzt.

Die Verpackung der Ritter Sport Schokolade ist laut Ihren eigenen Angaben vollständig recyclingfähig. Welches waren bzw. sind die größten Herausforderungen, die dies für Ihr Unternehmen mit sich bringt?

Wir verwenden heute eine Polypropylenfolie, die als Einstoffverpackung optimale Recyclingfähigkeit bietet. Das ist aber nur die theoretische Betrachtung. Faktisch wissen wir, dass selbst in Deutschland, wo wir ausgeklügelte Recyclingsysteme haben, nur ein kleiner Teil tatsächlich recycelt wird. Genau da setzen wir nun mit der Entwicklung einer alternativen Verpackung an. Ziel ist es eine Verpackung zu nutzen, die im Einklang mit Mensch und Natur steht, aus nachwachsenden Rohstoffen besteht und in einem Wertstoffkreislauf gehalten werden kann. Mit diesen Anforderungen spricht viel für Papier, denn aus unserer Erfahrung gibt es weltweit für Papier die meisten Sammelsysteme und damit die beste Möglichkeit der Wiederverwertung.

80 %

der Konsumentinnen und Konsumenten weltweit halten es für wichtig, dass die Lebensmittelindustrie nachhaltig und sozial verantwortlich handelt.

Quelle: Ritter Sport | Gruppe Nymphenburg, Consumer Tracker 2019

2020 entwickelte die Alfred Ritter GmbH & Co. KG einen Prototyp für eine Papierverpackung, der von Kunden getestet wurde. Hat sich die Verpackung bewährt? Und wie war das Feedback Ihrer Kunden?

Sehr positiv, wenngleich im ersten Prototypen auch Schwachstellen wie z.B. die Reißfestigkeit und die Nutzbarkeit unseres Knick-Pack bemängelt wurde. Solch intensives und detailliertes Feedback von unseren Ritter-Sport-Fans ist uns viel wert, daher ist uns dieser Austausch zu einem so frühen Entwicklungsstadium auch so wichtig.

Produziert die Alfred Ritter GmbH & Co. KG ähnliche Verpackungen für die ganze Welt oder passen Sie diese an die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten und Wünsche der Absatzmärkte an?

Stand heute sind all unsere Verpackungen in allen Märkten identisch. In der Tat gilt es zu prüfen, ob alle Märkte für eine Veränderung des Packmittels PP gegenber papierbasiert in gleichem Maße bereit sind oder ob es hier zu einer schrittweisen Umstellung kommen müsste. Aber davon sind wir noch ein gutes Stück Entwicklungsarbeit mit unseren Partnern entfernt.

Wie würden Sie die heutigen Nachhaltigkeitsansprüche der Kunden einschätzen – gibt es Unterschiede in den unterschiedlichen Regionen der Welt, wo Ritter Sport aktiv ist?

Grundsätzlich gibt es in allen Märkten Nachhaltigkeitsansprüchen. Aber die Ausprägungen sind sicher unterschiedlich je Land.

Wie schnell können Kundenwünsche nach mehr Nachhaltigkeit in die Praxis umgesetzt werden?

Das hängt sicherlich von den individuellen Wünschen ab, aber um beim Beispiel der Verpackung zu bleiben: Da sind die Herausforderungen sehr vielschichtig. Oberste Priorität aber haben immer die Produktsicherheit und der Produktschutz.

Welche Aspekte beim Thema nachhaltige Verpackung werden aus Ihrer Sicht in den kommenden Jahren wichtig und wie können Unternehmen sich am besten darauf vorbereiten?

Was nachhaltig aussieht, ist nicht immer nachhaltig. Für den Verbraucher ist extrem schwierig zu unterscheiden, ob eine Verpackung wirklich nachhaltig ist. Um wieder bei unserem Beispiel zu bleiben: Die PP-Folie, die wir heute verwenden, ist unter Nachhaltigkeitsaspekten wirklich sehr gut. Aber wenn die Systeme zum Recycling fehlen, dann bringt die reine Bewertung des Packmittels nur bedingt viel. Es gehört also noch viel mehr als nur die Verpackung in die Gesamtbetrachtung und dort sind dann auch nicht nur die Hersteller der Produkte gefragt, denn der Einfluss ist Richtung Recycling doch sehr begrenzt.

Service & Kontakt

© Ritter Sport / Tom Oettle