»Die Produktion nachhaltiger Verpackungslösungen ist heute Teil fast jeden Kundengesprächs«

Peter Steinbeck, CEO bei Windmöller & Hölscher, im Markets-Gespräch.

April 2021
Interview: Jenny Eberhardt

ALL PE-basierter Standbeutel für Recyclingfähigkeit, Verpackungsleistung und Produktionseffizienz, der bei der Firma Windmüller und Hölscher produziert wird. © Windmüller und Hölscher

Markets International: Windmöller und Hölscher ist in mehr als 130 Ländern aktiv. Welches sind Ihre wichtigsten Absatzmärkte? Unterscheiden sich Ihre Produkte in den unterschiedlichen Märkten?

Peter Steinbeck: Die Maschinen von Windmöller & Hölscher sind bei Verpackungsmittelherstellern auf der ganzen Welt im Einsatz. Neben Europa sind Nordamerika und Asien unsere wichtigsten Absatzmärkte. W&H bietet in allen Märkten das gleiche Portfolio. Traditionell werden einige Technologien in bestimmten Regionen bevorzugt. Beispielsweise wird in Asien vermehrt Tiefdruck eingesetzt, während in Nordamerika Flexodruck überwiegt.

Wie rasch kann sich ein Verpackungsmaschinenproduzent an die Wünsche seiner Kunden (Abnehmer der Maschinen und Produzenten von Verpackungen) anpassen?

Wir richten unsere Maschinen kontinuierlich am Bedarf des Marktes aus. In unserem 10.000 Quadratmeter großen Technikum werden neben Kundenversuchen auch viele Maschinenstunden in Forschung & Entwicklung investiert. Eine neue Automationslösung, die beispielsweise den Startprozess der Produktion optimiert und damit eine besonders effiziente Nutzung der teureren Recycling-Rohstoffe ermöglicht, kann innerhalb von Monaten entstehen. Manchmal geht es auch um den neuen Einsatz vorhandener Technologien für eine neue Anwendung. Beispielsweise werden die sehr gefragten Monomaterial-Folien mit der so genannten Machine-Direction-Orientation (MDO)- Technologie hergestellt. Die dabei genutzte Reckung der Folie, um besondere Eigenschaften zu erreichen, wurde vorher bei der Windelfolien-Herstellung eingesetzt.

Gibt es großen Bedarf bei Maschinenabnehmern, verpackungsproduzierende Maschinen anzuschaffen, die in Zukunft ’nachhaltiger‘ produzieren können – zum Beispiel mit mehr Rezyklatanteilen oder mit biologisch abbaubaren Stoffen?

Die Produktion nachhaltiger Verpackungslösungen ist heute Teil fast jeden Kundengesprächs. Der Fokus liegt dabei auf Konzepten, die eine Kreislaufwirtschaft ermöglichen. Also den Einsatz von Rezyklat beziehungsweise die Recyclefähigkeit des produzierten Endprodukts. Der Einsatz von bio-basierten Kunststoffen nimmt einen eher kleineren Anteil der Diskussionen ein. Und: Die Frage nach einem besonders ressourcenschonenden Einsatz von Rohstoffen beschäftigt die Branche schon seit Jahren. So sind Kunststoffverpackungen trotz steigender Funktionalität in den letzten Jahren immer dünner geworden, im Durchschnitt 25 Prozent.

Wie groß ist überhaupt der Unterschied zwischen den ‚konventionellen‘ und den ‚auf Nachhaltigkeit-ausgerichteten‘ verpackungsproduzierenden Maschinen? Lassen sich die ‚konventionellen‘ Verpackungsmaschinen umwandeln?

Als Maschinenbauer mit hohem Innovationsanspruch sind unsere Maschinen sehr flexibel in ihrem Einsatz. Beispielsweise können alle unsere Maschinen bereits seit Jahren Recyclingmaterialien und Bio-Kunststoffe verarbeiten. Wir haben eine weltweit agierende Retrofit-Abteilung, die darüber hinaus auch viele Technologien an älteren Anlagen nachrüsten kann.
Die Herausforderung ist die Entwicklung passender Verpackungslösungen, die die Anforderungen an die Funktionalität, wie Barriereeigenschaften für die Haltbarkeit von Lebensmitteln, mit denen der Nachhaltigkeit vereinen. Beispielsweise haben wir zur letzten großen Branchenmesse, der K 2019 in Düsseldorf, in Kooperation mit Partnern aus der gesamten Wertschöpfungskette fünf Verpackungslösungen vorgestellt: Zum einen in traditioneller Form und zum anderen als nachhaltige Variante. Die nachhaltigen Varianten enthielten entweder Reyclingmaterial oder waren recyclingfähig. So konnten wir Alternativen aufzeigen, aber auch diskutieren, welche Lösungen sich zukünftig durchsetzen werden.

Hat die Coronapandemie die Verpackungsbranche aus Ihrer Sicht verändert?

Corona hat wieder stärker in den Fokus gerückt, dass flexible Verpackungen einen Beitrag zur Hygiene, Sicherheit und Haltbarkeit von Produkten leisten – von der steril verpackten Spritze bis zu länger haltbaren Lebensmitteln. Die Entwicklung zu mehr Nachhaltigkeit bei Verpackungen setzt sich trotzdem ungebrochen fort. Das wird in Zukunft spannende Fragen aufwerfen, beispielsweise nach dem Einsatz von recycelten Materialien in besonders sensiblem Bereich, wie Lebensmitteln. Hier begleiten wir als Partner unsere Kunden bei ihrer Entwicklung neuer Verpackungslösungen. Sowohl unsere hoch entwickelte Maschinentechnologie als auch unser eigenes Technologiezentrum kommt uns dabei zugute.

Welches sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Trends und Entwicklungen in der Verpackungs(maschinen)industrie in den kommenden Jahren?

Die wichtigsten Themen für unseren Markt der flexiblen Verpackung sind neben nachhaltigen Verpackungslösungen die effiziente Produktion und die Digitalisierung, oder Packaging 4.0 wie wir es nennen. Es geht zum einen darum, mit weniger Ressourcen mehr zu erreichen – beispielsweise indem Fehlproduktion und Stillstandzeiten vermieden werden.  Zum anderen birgt das Thema Digitalisierung große Chancen. Beispielsweise bei der Unterstützung der Bediener durch Automations- und Assistenzsysteme.

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