Investition in die Zukunft

Die Grüne Hauptstadt Europas 2021 liegt in Südfinnland. Dort ist Lahti Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Doch auch andere finnische Städte setzen sich ambitionierte Ziele beim Klimaschutz.

August 2021
Autor: Niklas Becker

Es heißt, Lahti hätte das beste Leitungswasser der Welt. Das Niederschlagswasser wird auf natürliche Weise durch die Endmoräne Salpausselkä gereinigt. © Lassi Häkkinen/City of Lahti

Das finnische Lahti ist vor allem für den Wintersport bekannt – und der ist selbst im Sommer nicht zu übersehen. Drei große Skisprungschanzen überragen die Stadt. Doch auch an Südfinnland geht der Klimawandel nicht vorbei, und die Durchschnittstemperaturen steigen. Rund 100 Kilometer nördlich von Helsinki will man das nicht hinnehmen und hat sich eine ambitionierte Klimakehrtwende vorgenommen. Die großen Ziele: Lahti soll bis 2025 eine CO2-neutrale und bis 2050 eine abfallfreie Stadt werden.

Das Symphonieorchester ist als erstes weltweit schon jetzt CO2-neutral. Das örtliche Eishockeyteam nimmt sich das Gleiche bis Ende 2021 vor. Die Haushaltsabfälle der rund 120.000 Einwohner werden bereits zu mehr als 99 Prozent recycelt, zwei Drittel davon für die Energieproduktion. Das städtische Versorgungsunternehmen Lahti Energia ist für die Stromversorgung verantwortlich. Bereits vor zwei Jahren hat es für 180 Millionen Euro das letzte kohlebefeuerte Kraftwerk durch ein modernes Bioenergiekraftwerk ersetzt. Auch im Bereich der Windenergie ist der Versorger aktiv. Sobald alle sich derzeit im Bau befindlichen Windparks fertiggestellt sind, werden diese ein Drittel des jährlichen Strombedarfs decken.

»Finnland sendet in der ersten Jahreshälfte gute Wachstumsimpulse. Die Stimmung in der Wirtschaft hellt auf.«

Niklas Becker
GTAI-Korrespondent Helsinki

Lesen Sie die Marktprognose für Finnland von Niklas Becker

Mittlerweile hat Lahti über die Landesgrenzen hinaus den Ruf einer Eco City. Diesen verdankt sie auch der Auszeichnung als Grüne Hauptstadt Europas 2021, mit der die Europäische Kommission besonderes Engagement im Umwelt- und Klimaschutz ehrt. Lahti ist die zwölfte europäische und erste finnische Stadt, die diesen Preis erhält – aber bei Weitem nicht die einzige im Land, die ihn verdient. Projekte in den Bereichen Nachhaltigkeit und Umweltschutz laufen unter anderem auch in Oulu, Turku, Porvoo und Tampere. Letztere investiert beispielsweise in große Umweltprojekte wie eine Kläranlage für 310 Millionen Euro oder eine neue Bioabfallaufbereitungsanlage.

Tampere hat sich die CO2-Neutralität bis 2030 vorgenommen. Finnland soll den Plänen der Regierung zufolge fünf Jahre später folgen und kurze Zeit danach sogar CO2-negativ sein. Zudem soll die Kreislaufwirtschaft gestärkt und die Umweltbelastung beim Bauen verringert werden. Beim europäischen Wiederaufbauplan Next Generation EU legt Finnland einen starken Fokus auf den Umweltschutz. Rund die Hälfte der für das nordische Land vorgesehenen Fördergelder sollen den ökologischen Wandel voranbringen.

2025

Lahti soll bis 2025 eine CO2-neutrale Stadt werden.

90 %

2030 sollen in Tampere 90 Prozent der Energie aus Erneuerbaren stammen.

Bei alternativen Baustoffen nimmt einmal mehr Lahti eine Vorreiterrolle ein. Bereits im Jahr 2000 wurde die städtische Kongress- und Konzerthalle in Holzbauweise fertiggestellt. Auch in die Mobilität fließen in Lahti hohe Summen. Zusammen mit einem Konsortium investierte die Stadt 100 Millionen Euro in den Nahverkehr und sieht bis 2030 nochmals 16 bis 26 Millionen Euro vor. Denn die Einwohner sollen noch mehr Anreize bekommen, das Auto stehen zu lassen. Einer ist eine App, über die die Bürger ihren CO2-Fußabdruck im Bereich der Mobilität messen können. Wer auf nachhaltigere Transportarten umsteigt, wird von der Stadt oder von örtlichen Unternehmen belohnt. Natürlich kommt in der Wintersporthochburg Lahti neben Fahrrad und öffentlichem Nahverkehr ein weiteres Fortbewegungsmittel in Frage: die Skier.

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