Kamele und der Kern der Kiefer

Hautpflege aus Holzspänen: Der Holzverpackungshersteller Wilms aus Bad Essen hat Naturkosmetik für Mensch und Tier erfunden – aus Kiefernextrakt.

Juni 2017

Zugegeben: Ein Shampoo für arabische Rennkamele aus dem Osnabrücker Land – das klingt bestenfalls gut erfunden. Und tatsächlich hat die Geschichte hinter diesem höchst ungewöhnlichen Export­erfolg der Firma Wilms aus Bad Essen etwas Märchenhaftes. Eigentlich produziert Wilms nämlich Holzpaletten, der 105-Mann-Betrieb ist zuallererst ein Sägewerk.

„Bei der Palettenproduktion fielen immer viele Späne an, die uns die Bauern aus der Umgebung irgendwann regelrecht aus den Händen gerissen haben – als Streu für ihre Ställe“, erzählt Ka­tharina Wilms, die das Familienunternehmen gemeinsam mit Vater Heinrich leitet.

Geschäfte mit einem Abfallprodukt: Aus dem Kernholz der Kiefer, das in vielen Möbelwerken sonst verbrannt wird, destillieren Katharina und Heinrich Wilms einen Extrakt, der hauteigene Heilungsmechanismen verbessern soll. Daraus entstand eine Serie rein biologischer Pflegeprodukte für Menschen, Tiere und Pflanzen. | © Jürgen Jehle/Kammann Rossi

Die Tiere hatten deutlich weniger Hautprobleme, die Landwirte kaum noch Stress mit Milben. Rötungen und Risse heilten schneller. „Da sind wir drauf gekommen, dass etwas im Kiefernholz stecken muss.“ Vor allem Heinrich Wilms ließ der Gedanke nicht mehr los. Er kontaktierte die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft und das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik, ließ die Späne wissenschaftlich untersuchen.

Und tatsächlich: Spezielle chemische Verbindungen aus dem Kernholz der Kiefer, sogenannte Terpene, entfalteten offenbar heilsame Kräfte. In der 1990er-Jahren gelang es dann, die Stoffe zu destillieren. Seither produziert Wilms Kiefern-Kernholz-Extrakt, setzt es Hautcremes und Zahnpasta zu, hat ein Spray zur Abwehr von Pilzbefall bei Pflanzen entwickelt – und produziert kanisterweise Tierpflegemittel. Sie helfen Hunden, Katzen, Pferden und mittlerweile auch edlen Rennkamelen.

„Die Idee dazu kam über die Universität Osnabrück, die Kontakt zur Al-Ain-Universität in Abu Dhabi hatte“, sagt Katharina Wilms. Dort intensivierte man die Forschung am Kiefernextrakt an den Tieren, die sich nach Rennen oft schweißnass im Wüstensand wälzen und entsprechend raue Haut bekommen. Als „Wirkkosmetik“ bezeichnet Katharina Wilms die Kiefernholzpflegemittel.

So hat sich ein völlig neuer Geschäftszweig entwickelt. „Jetzt strecken wir gerade die Fühler nach China aus“, verrät die Unternehmerin. Die Aussichten scheinen erfolgversprechend. Schließlich ist die Kiefer in China ein Symbol für langes Leben.