Kampf der Kuriere

Der E-Commerce boomt, doch die Bedürfnisse von Onlinekunden unterscheiden sich in einzelnen Ländern und Weltregionen deutlich. Die wichtigsten Trends im E-Commerce in Deutschland, China, den USA und Nigeria.

Dezember 2019
Autoren: Oliver Höflinger, Corinna Päffgen, Roland Rohde und Heiko Steinacher

Chinesische Kung-Fu-Meister zeigen ihre Kampfkünste mit Paketen aus der Singles-­Day-Rabattaktion. Jedes Jahr am 11. November bietet Onlinehändler Alibaba Waren zu besonders günstigen Preisen. Und macht Werbung mit schrägen Aktionen wie den Kung-Fu-Kurieren. © Tu meifei/Imaginechina/laif

Am 11. November beginnt in Deutschland traditionell die fünfte Jahreszeit. Auch in China geht es dann närrisch zu: Dort ist der Tag unter dem Namen Singles’ Day beziehungsweise Guanggun Jie bekannt. Was als eine Art Gegenstück zum Valentinstag begann, wurde innerhalb weniger Jahre vor allem vom Alibaba-Group-Mitgründer Jack Ma zum größten Einkaufsereignis weltweit aufgebaut.

Der Singles’ Day wartet regelmäßig mit neuen Superlativen auf. Und das nicht nur beim Umsatz, sondern auch in anderen zentralen Bereichen des E-Commerce wie beispielsweise der Logistik. So hat Alibabas Logistiker Cainiao im Jahr 2018 die ersten 100 Millionen Singles’-Day-Pakete innerhalb von nur 2,6 Tagen zugestellt. 2013 dauerte es noch neun Tage. Am Singles’ Day können auch deutsche Firmen gute Geschäfte machen: Im Jahr 2018 zählte Deutschland laut dem Logistikunternehmen Hermes bei Alibaba hinter Japan, den USA, Südkorea und Australien zu den umsatzstärksten Verkaufsländern.

»Der Onlinehandel wird künftig weiter stark wachsen, besonders ­wegen der zunehmenden Nutzung von ­Mobile und Social ­Shopping.«

Richard Geibel
Leiter des E-Commerce Instituts Köln

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Nicht nur in China boomt der E-Commerce: Während der Marktforscher Emarketer dem gesamten Einzelhandel für 2019 und 2020 ein Umsatzwachstum von nur 4,5 beziehungsweise 4,1 Prozent vorhersagt, soll der E-Commerce mit 20,7 respektive 19 Prozent kräftig zulegen. Er dürfte im Jahr 2019 einen Anteil von 14,1 Prozent zum weltweiten Einzelhandelsumsatz beisteuern. Bis 2023 werden 22 Prozent prognostiziert. Wachstumsspitzenreiter mit überdurchschnittlichen 25 Prozent soll 2019 die Region Asien-Pazifik sein. Es folgen der Mittlere Osten und Afrika mit 21,3 Prozent, Nordamerika mit 14,5 Prozent und Westeuropa mit lediglich 10,2 ­Prozent.