Kluges Kraftpaket

Das Augsburger Start-up German Bionic entwickelt Exoskelette: Sie sehen aus wie Roboter zum Anziehen und verhelfen Arbeitern zu mehr Kraft und Ausdauer. Per Internet lassen sie sich mit der Umgebung vernetzen – so werden sie zu einem Teil der Fabrik um sie herum.

Juni 2020
Autor: Jonas Oppermann, wortwert

In der Lagerhalle surrt es monoton.Das Geräusch kommt vom Rücken eines Kommissionierers, der scheinbar mühelos ein schweres Paket hebt. Das schafft er nicht allein mit seiner Muskelkraft, sondern erhält Unterstützung von einem Gestell auf seinem Rücken – einem Exoskelett.

Was wie aus einem Actionfilm aussieht, ist bereits seit einigen Jahren erprobter Bestandteil in Produktion und Logistik. Exo­skelette sind Mensch-Maschinen-Systeme, die die Bewegung des Trägers unterstützen und verstärken. Das macht Menschen nicht nur leistungsfähiger, sondern entlastet dank des eingebauten Motors auf Hüfthöhe die Lendenwirbelsäule und beugt so Muskel- und Skeletterkrankungen vor.

Armin Schmidt (links) und Peter Heiligensetzer präsentieren stolz ihr smartes Exoskelett Cray X. Der Kraftanzug entlastet den unteren Rücken um bis zu 25 Kilogramm. © Jürgen Jehle/Kammann Rossi

Das Augsburger Start-up German Bionic gehört zu den Vorreitern der Branche. Die Gründer Peter Heiligensetzer und Armin Schmidt haben einen smarten Kraftanzug entwickelt, der sich dank einer Internetschnittstelle mit einer kompletten Fabrik vernetzen lässt. So kann das Exoskelett zum Beispiel mit automatischen Türen kommunizieren und sie öffnen, wenn jemand schwer beladen hindurchgehen will.

Die Augsburger haben große Konzerne hierzulande wie Ikea und BMW bereits von ihrem Produkt überzeugt. Auch in Tokio laufen die Geschäfte: Seit vergangenem Jahr ist German Bionic mit einer eigenen Niederlassung und 15 Mitarbeitern in der japanischen Metropole vertreten. Heiligensetzer sieht enormes Potenzial. „Roboter haben sich im asiatischen Raum bereits viel stärker durchgesetzt als hier“, sagt er. Die Zahlen geben ihm recht: Bereits jetzt steht die japanische Zweigstelle für 30 Prozent des Umsatzes.