Kontinent der Chancen

Die Volkswirtschaften Subsahara-Afrikas sind in Bewegung: Vor allem die Digitalisierung gibt dem Privatsektor Aufwind. Auch Geber wie die Europäische Union setzen auf mehr Unternehmertum statt auf klassische Entwicklungshilfe. Deutsche Unternehmen sollten trotz aller Risiken die Chancen im Blick behalten.

Oktober, 2017
Autoren:  Samira Akrach, Martin Böll, Carsten Ehlers, Kirsten Hungermann, Martin Kalhöfer, Dorothea Netz, Heiko Stumpf

Vérone Mankou hat große Pläne, das ist schon am Namen seiner Firma zu erkennen. VMK heißt das kleine Unternehmen aus Kongo-Brazzaville – es ist die Abkürzung von „Vumbuka“, und das heißt „Aufwachen“. Der Informatiker hat mit seinen Kollegen preisgünstige Handys und Tablets für den afrikanischen Markt entwickelt.

Wo sich auf Konkurrenzprodukten der Apfel oder das Samsung-Logo befinden, prangt auf den Geräten von VMK ein Umriss des schwarzen Kontinents. Stolz wirbt das Unternehmen mit dem Prädikat „Designed in Congo“ – produzieren lässt Gründer Mankou zwar noch in der Volksrepublik China, plant aber nach eigenen Angaben gerade ein Werk in seiner Heimat.

Handel, Mobilfunk oder Medizintechnik: Überall besteht Nachholbedarf.

Eine afrikanische Handymarke wäre vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen. Inzwischen ist sie ein Symbol für das wirtschaftliche Erwachen eines ganzen Kontinents. Angetrieben werden viele Bereiche vor allem von der digitalen Entwicklung, beim mobilen Banking nimmt die Region bereits eine Vorreiterrolle ein.

Nicht umsonst setzt ein Gründer wie Mankou auf das Thema Mobilfunk. Aber auch in anderen Segmenten hat der gesamte Kontinent großen Nachholbedarf: Von der Landwirtschaft über den Gesundheitssektor, diverse Infrastrukturbereiche bis hin zur Umwelttechnik ist der Investitionsbedarf riesig. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Einwohnerzahl von Subsahara-­Afrika auf 2,2 Milliarden Menschen mehr als verdoppeln.

Afrikas Wachstumsmärkte

1,1 Mio.

Jobs in Afrika hängen direkt von Mobilfunk und mobilen Datendiensten ab. 2020 sollen es schon 1,3 Mio. sein.

18 Mio.

Arbeitsplätze jährlich müssen bis 2035 entstehen, um den jungen Menschen in Afrika eine Perspektive zu bieten.

140

mobile Finanzdienste gibt es schon heute in Subsahara-Afrika. Mobile Banking ist in 39 Ländern möglich.

Zwar scheint der Afrikahype der vergangenen Jahre auf den ersten Blick vorbei zu sein. Ölpreisverfall, sinkende Rohstoffpreise und Devisenmangel haben das vergleichsweise hohe Wachstum in Subsahara-Afrika 2016 auf nur noch 1,4 Prozent schrumpfen lassen. Vor allem Südafrika und Nigeria, bis dahin die einzigen größeren Märkte für deutsche Produkte, schwächeln.

Daneben gibt es aber noch 47 weitere Staaten auf dem Kontinent. Bisher hatten die wenigsten deutschen Mittelständler sie auf dem Schirm, denn sie sind enorm unterschiedlich und nicht ohne Weiteres erfolgreich zu bearbeiten. Länder wie Äthiopien oder Côte d’Ivoire zählen mit hohen Wachstumsraten von über sieben Prozent zu den expansivsten der Welt.

7,7 %

trugen mobile Technologien im Jahr 2016 zur gesamten Wirtschaftsleistung in Subsahara-Afrika bei.

80 %

der Menschen in Subsahara-Afrika sollen bis zum Jahr 2020 einen Internetanschluss haben. 2015 waren es erst 20%.

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des bisher ungenutzten fruchtbaren Ackerlandes liegen in Subsahara-Afrika.

Ein neuer Ansatz für Afrika

Jetzt könnte die Privatwirtschaft zusätzlichen Schub bekommen. Die Europäische Union und andere Geber haben ihre klassische Entwicklungshilfe um Instrumente zur Investitionsförderung erweitert und wollen künftig gezielt private, wirtschaftlich nachhaltige Initiativen fördern – und weniger auf klassische Entwicklungshilfe setzen.

Das gilt etwa für den Compact with Africa der G20-Finanzminister. Auch die Bundesregierung will die afrikanische Privatwirtschaft anschieben: etwa mit der Initiative Pro! Afrika des Bundeswirtschaftsministeriums oder dem Marshallplan mit Afrika des Bundesentwicklungsministeriums.

Zu Recht. Die Privatwirtschaft kann in Subsahara-Afrika funktionieren. Positive Beispiele zeigen unsere Korrespondenten auf. Dabei wird klar: Der Mobilfunk ist nur ein wachsender Markt von vielen. Afrika wird so zum Kontinent der Chancen.

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