»Ghanaische Marken werden Erfolg haben.«

Die ghanaische Lifestyle-Influencerin Koteikai Ashie Kotei bloggt seit 2016 über ihre Erfahrungen mit ghanaischen und internationalen Kosmetikmarken.

Oktober 2022
Interview: Eleanor Mensah

44,6 Milliarden Euro beträgt der Marktwert für Kosmetik in Afrika und dem Nahen Osten 2022. Lokale Produkte werden immer beliebter. © Olesia Bilkei/Adobe Stock

Erzähl uns ein wenig über dich. Wie bist du Beauty-Bloggerin geworden?

Ich bin in einer Familie mit vier Frauen aufgewachsen und meine Mutter liebte Make-up – das hat mich neugierig gemacht. Als ich selbst anfing, Make-up zu tragen, tat ich es zunächst aus den falschen Gründen – ich wollte meine unreine Haut überdecken. Für mich der einzige Weg, schön zu sein.

An der Universität begann ich, Make-up auf eine andere Art zu sehen. Ich lernte die Kunst des Schminkens und das Gesicht zu modellieren. Make-up sah ich nicht länger als eine Art Maske an, sondern als Kunst, die Gesichtszüge betont. Ich habe dann angefangen als Make-Up Artist zu arbeiten, um Geld zu verdienen und um Erfahrungen zu sammeln. Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich mehr über die Schönheitsindustrie erfahren wollte.

Dafür bist du ins Vereinigte Königreich gegangen, richtig?

Ja, ich habe am Yorkshire College of Beauty in Leeds studiert. Danach folgte ein Master in International Business in Salford, Manchester. In dieser Zeit wurden viele Beauty Creators auf Youtube aktiv. Da ich inzwischen viel rund um das Thema Kosmetik wusste, beschloss ich, dieses Wissen an andere weiterzugeben. Also erstellte ich YouTube-Videos über das Auftragen von Make-up, Hautpflegetipps und Produktempfehlungen.

Wie sind die Reaktionen deiner Follower?

Es erfüllt mich, zu wissen, dass ghanaische Frauen meine Arbeit schätzen. Jemand hat mir mal gesagt, dass sie sich zwar viel über Beauty- und Kosmetikthemen online informiert, aber sie sich immer meinen Content ansehen wird, weil ich hier lebe. Wir haben die gleiche Hautfarbe, wir leben im gleichen Klima und teilen ähnliche Lebenserfahrungen. Also wird das, was für mich funktioniert, höchstwahrscheinlich auch für sie funktionieren.

Auf welche Schönheitsprodukte konzentrieren sich ghanaische Unternehmen?

In der Regel auf natürliche Körperpflegeprodukte, auf Grundierungen oder Lippenpflege, aber auch auf Make-up-Tools.

Wie reagieren ghanaischen Verbraucher auf diese Produkte?

Im Laufe der Jahre sind die Ghanaer viel empfänglicher für Schönheitsprodukte aus dem eigenen Land geworden. Früher war es fast unmöglich, die Leute davon zu überzeugen, „unbekannte“, eben ghanaische Marken zu kaufen. Internationale Produkte zu verkaufen war eben einfacher. Aber mit viel Marketing und Aufklärung hat der Markt nun verstanden, dass die meisten lokalen und internationalen Marken ähnliche Ergebnisse erzielen und lokale Marken sogar manchmal günstiger sind.

»Eine Marke in Ghana zu gründen ist nicht einfach.«

Koteikai Ashie Kotei

Kannst du ein wenig über deine Erfahrungen und deine Zusammenarbeit mit ghanaischen und internationalen Kosmetikmarken erzählen?

Um ehrlich zu sein, verbindet mich mit ghanaischen Kosmetikmarken eine Art Hassliebe. Als ich anfing zu bloggen, habe ich mit so vielen ghanaischen Marken wie möglich zusammengearbeitet. Zu dieser Zeit waren die meisten Marken noch sehr neu und wollten so viel Reichweite wie möglich erzielen. Damals war ich eine von nur wenigen Beauty Content Creators, die halfen, Produktwissen zu teilen. Obwohl ich dabei nur wenig verdiene, arbeite ich immer noch am häufigsten mit ghanaischen Marken. Für mich zählt, dass ich maßgeblicher Teil des digitalen Wachstums der Branche sein kann. Ich habe aber auch schon viel mit internationalen Marken gearbeitet, darunter Clinique, Estée Lauder, Dove, Dior Beauty, Tom Ford, Gucci Beauty und Maybelline.

Wie siehst du die Zukunft der ghanaischen Schönheitsindustrie?

Eine Marke in Ghana zu gründen ist nicht einfach und für die Kosmetikmarken hier waren die letzten Jahre harte Arbeit. Um internationalen Standards zu entsprechen, bleibt noch einiges zu tun. So gibt es Raum für Verbesserungen bei der Rezeptur, beim Branding, bei der Verpackung und bei Markenbotschaften. Aber ich bin überzeugt, dass ghanaische Marken Erfolg haben werden – auf diesen Tag freue ich mich.

Kannst du ein Beispiel für das Verbesserungspotenzial nennen, etwa was die Rezeptur der Produkte angeht?

Gerne. Eine Beauty-Enthusiastin sagte einmal zu mir, dass ghanaische Produzenten meist Sheabutter und Schwarze Seife herstellen, aber keine zusätzlichen Inhaltsstoffe nutzen, die diese Produkte verbessern können. Das hat mich nachdenklich gestimmt. Nahezu alle internationalen Marken, die Inhaltsstoffe aus Afrika beziehen, ergänzen ihre Produkte, um bestimmten Hauttypen und ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Ich bin überzeugt, dass wir eines Tages – mit der richtigen Finanzierung, Forschung und Entwicklung – auch dorthin gelangen werden.

Wie empfänglich ist die ghanaische Zielgruppe für Influencer-Marketing?

Sehr empfänglich. Allerdings ist Influencer-Marketing in bestimmten Branchen akzeptierter und lukrativer als in anderen. Die Möglichkeiten von Nischen-Content-Marketing, wie etwa im Bereich Beauty, sind begrenzt und die Menschen fühlen sich eher von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens angesprochen als von Content-Erstellern. Es gibt also noch genug Entwicklungspotenzial. Alles ist noch sehr neu und Marken müssen noch den Nutzen für sich herausfinden. Ich bin aber zuversichtlich, dass Content-Creator eines Tages ein Vollzeitjob sein wird, von dem man gut leben kann.

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