Mikroskop to go

Die Gründer von Oculyze haben ein mobiles Mikroskop entwickelt, mit dem sie durch automatisierte Bilderkennung und künstliche Intelligenz die Zellforschung revolutionieren wollen. Ihre ersten Kunden sind allerdings keine Wissenschaftler, sondern Brauereien.

April 2020
Autorin: Celine Schäfer, wortwert

Hefezellen sind so winzig, dass sie das bloße Auge nicht erkennen kann. In der Getränkebranche spielen sie trotzdem eine große Rolle: Damit Bier seinen typischen Geschmack bekommt, braucht es nämlich genau die richtige Menge lebendiger Hefezellen. Die meisten Brauereien zählen die Zellen bisher mit bloßem Auge am Mikroskop oder nutzen teure Maschinen.

Das 2016 gegründete Start-up Oculyze hat nun ein Mikroskop entwickelt, das über ein Smartphone mit einer cloudbasierten Bilderkennungssoftware kommuniziert und die Hefezellen automatisch analysiert. Wie bei einem klassischen Mikroskop nimmt der Brauer mit der Pipette eine Probe, spritzt das Bier auf einen gläsernen Objektträger und legt ihn unter das Objektiv. Statt nun durch das Okular zu schauen, startet der Brauer die Oculyze-App, die die Handykamera auslöst.

Ulrich Tillich, Kilian Moser und Katja Schulze (von links) haben ein Mikroskop mit Bilderkennungssoftware fürs Smartphone entwickelt. © Jürgen Jehle/Kammann Rossi

Die Oculyze-Gründer Kilian Moser, Katja Schulze und Ulrich Tillich hatten eigentlich gar nicht geplant, in die Bierbranche einzusteigen, sondern hatten große Labordienstleister im Blick. Sie erwiesen sich allerdings nicht als optimaler Einstiegsmarkt. „Dort sind die Verkaufszyklen lang und die Zulassungsbedingungen für neue Technologie sehr streng“, sagt Gründer Moser. Nicht so in der Bierbranche: Innerhalb eines Jahres konnten die Gründer ihr Mikroskop auf den Markt bringen. Oculyze hat bereits mehr als 200 Einheiten seiner mobilen Mikroskope in mehr als 30 Länder verkauft, unter anderem in die USA und nach Australien. Auch Labore haben mittlerweile Interesse bekundet. Künftig will Oculyze das Mikroskop zudem in anderen Bereichen etablieren – zum Beispiel in der Tiermedizin.