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Tu Gutes und rede darüber: Dafür sorgt bei Unternehmen der Nachhaltigkeitsreport. Die EU will die Pflicht zur grünen Bilanzierung ausweiten. Was es mit den Reportings auf sich hat, welche Berichtsformate es gibt und was Unternehmen dabei beachten sollten.

Dezember 2021
Autorinnen und Autoren: Corinna Päffgen, Edda vom Dorp und Ullrich Umann

Die Nachhaltigkeitsziele der UN, die Sustainable Development Goals (SDGs), bieten auch Stoff für Künstler – so etwa im März dieses Jahres in Düsseldorf. Der 240,5 Meter hohe Rheinturm wurde mit einer Collage aus Werken des jungen Kunststars Leon Löwentraut illuminiert. Eine künstlerische Interpretation der SDGs, die für Aufsehen sorgte. © picture alliance/dpa/ Marius Becker

In Grün, der Farbe der Nachhaltigkeit, thront der Frosch im Logo der gleichnamigen Marke für Putz- und Kosmetikprodukte. Farbe und Wappentier sind Programm bei Werner & Mertz, dem Unternehmen hinter Frosch. Denn die Marke Frosch zielt auf die Kunden ab, die beim Reinemachen nicht die Umwelt verschmutzen möchten. Ihnen versprechen die Frosch-Produkte das Putzen mit gutem Gewissen – dank umweltschonender und pflanzlicher Inhaltsstoffe. Die Marke ist ein Aushängeschild für eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie, die über Produkte und Verpackungen hinausgeht. Unternehmen bekennen sich weltweit zur Corporate Social Responsibility, kurz: CSR. Gemeint ist die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen für nachhaltiges Wirtschaften.

Damit Unternehmen ihrer Verantwortung auch tatsächlich gerecht werden, muss erst mal klar sein, worin die Verantwortung besteht und wie sich der Erfolg messen lässt. Werner & Mertz richtet sein Unternehmensmanagement an streng definierten Umweltkriterien aus und lässt sich die Anstrengungen mit dem Eco-Management and Audit Scheme, kurz: EMAS, zertifizieren. „EMAS unterstützt uns dabei, die Umweltleistung in all unseren Prozessen kontinuierlich zu verbessern und jährlich messbare Fortschritte zu erzielen“, sagt Pamela Fandel, Leiterin Nachhaltigkeitsmanagement und Qualität bei Werner & Mertz. „Mit EMAS können wir belegen, wie konsequent unsere Nachhaltigkeitsphilosophie auch tatsächlich in unserem Unternehmen gelebt wird.“

»Nachhaltigkeit ist für uns keine Modeerscheinung.«

Pamela Fandel
Leiterin Nachhaltigkeitsmanagement und Qualität bei Werner & Mertz

Das ganze Interview mit Pamela Fandel lesen Sie hier.

Werner & Mertz ist bereits seit 18 Jahren EMAS-zertifiziert und gilt mit seiner Nachhaltigkeitsstrategie als Vorreiter in der Branche. Ähnlich ist es beim Outdoorausrüster Vaude aus Tettnang, der sich seit dem Jahr 2008 mit dem EMAS-Zertifikat schmücken darf. Zusätzlich nutzt das Unternehmen den Berichtstandard des Deutschen Nachhaltigkeitskodexes (DNK) und hat seit 2011 als Branchenpionier Entsprechungserklärungen erstellt. Auf der Internetseite scrollen Interessierte durch die Nachhaltigkeitskriterien, an denen sich Vaude messen lassen will.

Nachhaltigkeit seit 2017 per Gesetz

Werner & Mertz und Vaude haben sich ihren Nachhaltigkeitsstandards schon früh aus eigenem Antrieb heraus verpflichtet. Seit 2017 sind in Deutschland größere Unternehmen aber sogar zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet. Denn seitdem greift das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz. Damit setzt die Regierung die europäische Corpo­rate-Social-Responsibility-Richtlinie (2014/95/EU) in deutsches Recht um.

Das Gesetz gilt für alle kapitalmarktorientierten Unternehmen, Versicherungen und Kreditinstitute mit mehr als 500 Mitarbeitern, die entweder einen Umsatz von mindestens 40 Millionen Euro oder mindestens 20 Millionen Euro Jahresbilanzsumme aufweisen. Sie sind verpflichtet, Informationen im sogenannten nichtfinanziellen Bereich offenzulegen. Dazu gehören Informationen zu Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelangen, zur Achtung der Menschenrechte und zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung.

Bisher haben Unternehmen entweder einen gesonderten Nachhaltigkeitsbericht, zum Beispiel auf ihrer Webseite, veröffentlicht, im Lagebericht oder im Bundesanzeiger. Die Angabe, ob dem Bericht ein Rahmenwerk wie der Deutsche Nachhaltigkeitskodex oder EMAS zugrunde liegt, ist freiwillig. Allerdings müssen sie angeben und erklären, warum sie im Zweifel auf ein Rahmenwerk verzichten. Eine unabhängige, externe Prüfung der Berichte ist ebenfalls freiwillig.