Reiche Ernte

Gestern Start-up, heute Marktführer: Der Macadamianussverarbeiter Limbua hat sich in Kenia zu einer deutschen Vorzeigeinvestition gemausert. Dank eines Geschäftsmodells, das auf Transparenz und soziale Nachhaltigkeit setzt.

Dezember 2022
Autor: Carsten Ehlers

Macadamianüsse gehören zu den teuersten Nüssen. Die Bäume wachsen bis zu 15 Meter hoch und stellen hohe Anforderungen an ihre Umwelt. © Limbua Macadamia

Niceta Ngunyi sitzt erwartungsfroh auf einem Plastikstuhl. Neben ihr steht der Einkäufer von Limbua, einem deutsch-kenianischen Unternehmen, das sich in den vergangenen Jahren zu einem der Weltmarktführer von Biomacadamianüssen entwickelt hat. Seinen Laptop hat der Mann auf eine Bierkiste gelegt, die ihm als Schreibtisch dient. Weitere Mitarbeiter der Farm stehen auf dem kleinen Hof herum und beobachten gespannt das Duo. Im Hintergrund stehen mehrere Kisten, beladen mit der wertvollen Ernte der kleinen Farm: Macadamianüssen.

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Die nächsten zehn Minuten sind entscheidend, dann läuft der Kauf ab. Zunächst regis­triert der Limbua-Einkäufer die Ware. Auf jede Kiste kommt ein Aufkleber mit Barcode, sodass die Früchte später Ngunyis Farm zugeordnet werden können. Anschließend bezahlt er die Farmerin. Nicht bar, sondern per Mobiltelefon. M-Pesa heißt dieser inzwischen erfolgreiche Bezahlservice des Mobilfunknetzbetreibers Safaricom, welcher Kenia den Ruf als IT-Hub in Afrika einbrachte. Schon seit etwa zehn Jahren können die Bewohner des ostafrikanischen Landes per Handy alles Mögliche bezahlen. Ein Bankkonto, das die wenigsten Kleinbauern in Kenia haben, wird somit überflüssig. Zum Schluss bestätigt Ngunyi den Kauf per elektronischem Fingerabdruck. Die Stimmung entspannt sich, alles wirkt recht familiär. Ngunyi macht einen zufriedenen Eindruck: Das Geld ist bereits auf ihren Namen verbucht.

Die kleine Farm, etwa zwei Autostunden nördlich von Nairobi, liegt am Fuße des Mount Kenya. Die nächste Stadt, Embu, zählt rund 65.000 Einwohner und ist etwa 110 Kilometer entfernt. Wie so viele kleine Gehöfte ähnelt auch Ngunyis Anwesen eher einem dörflichen Haushalt, in dessen Umkreis allerlei Pflanzen wachsen: Macadamianüsse, aber auch ­Mangos, Ananas, Bananen, Avocados, Kaffee und ­Maracujas. Sogar zwei Kühe stehen in einem offenen Stall. Von Monokultur keine Spur und Besuchern wird schnell klar: Der Verkauf der Nüsse ist zwar eine wichtige Einnahmequelle für die Farm, aber nicht die einzige. „Limbua hat mir sehr geholfen“, sagt Ngunyi und erklärt auch gleich wie: „Sie zahlen mir nicht nur gute Preise für Macadamianüsse, sondern helfen mir auch dabei, andere Pflanzen anzubauen.“ So bekommt die Farmerin aus der Limbua-Baumschule beispielsweise Setzlinge und auch Biodünger günstiger.

1880

wurden Macadamianüsse erstmals kommerziell auf Hawaii angebaut.

20 %

Anteil von Kenia am weltweiten Macadamiamarkt. Jede zehnte kenianische Macadamianuss für den Export kommt dabei von Limbua.

838,4

Millionen US-Dollar betrug der Umsatz mit Macadamianüssen im Jahr 2020 weltweit. 2016 waren es noch 418,2 Millionen US-Dollar.

Biosnacks für deutsche Märkte

Etwa zehn Kilometer von der Farm entfernt befindet sich eine von drei zentralen Niederlassungen in Kenia, in denen Limbua Macadamia­nüsse verarbeitet. Zahlreiche Mitarbeiter, überwiegend Frauen aus der Gegend, kümmern sich um die süße, delikate Frucht mit dem hohen Fettgehalt. Die Nüsse werden sortiert, gereinigt, getrocknet, geknackt und für den Transport nach Übersee vakuumverpackt. Dann geht die Ware zunächst per Lkw nach Nairobi. Den restlichen Weg bis zur Hafenstadt Mombasa legt sie per Zug zurück – etwas mehr als fünf Stunden benötigt die Bahn für die 500 Kilometer lange Strecke, die von den Chinesen errichtet wurde und erst seit 2017 in Betrieb ist. Wochen später liegt ein beträchtlicher Teil der Ware in deutschen Biomärkten – als Snack oder verarbeitet zu Kosmetik.

Rund 96,2 Millionen US-Dollar haben Macadamianüsse im Jahr 2021 dem Land eingebracht. Kenias Landwirtschaft erwirtschaftete 2021 insgesamt sogar 1,39 Milliarden Euro. Der Sektor trägt mehr als 30 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Gerade angesichts der sich anbahnenden weltweiten Nahrungsmittelknappheit ist es also kein Wunder, dass auch Kenias neuer Präsident William Ruto Investitionen im Agrarsektor hohe Priorität einräumt. Diese sind vor allem notwendig, um den Nahrungsbedarf der schnell wachsenden lokalen Bevölkerung zu decken. Aber auch als Devisenbringer ist die Landwirtschaft ein wichtiger Faktor.

Der sogenannte Hortikultursektor, in der neben Kaffee und Tee in großem Stil weitere Agrarprodukte für den Export angebaut werden, ist für Kenia enorm wichtig und wächst seit Jahren. Vor allem der Anbau von Schnittblumen dominiert – vielfach kommen die Investoren aus den Niederlanden –, die Bauern pflanzen aber auch Obst und Gemüse, wie etwa Heidelbeeren, Schnittbohnen und Avocados, an. Größter Abnehmermarkt für kenianische Landwirtschaftsprodukte ist die Europäische Union (EU), zunehmend führen auch Supermärkte in China und den arabischen Ländern kenianische Agrarprodukte in ihrem Sortiment. Das Geschäft ist nicht einfach: Will man zum Beispiel nach Deutschland liefern, muss man die anspruchsvollen EU-Normen in puncto Qualität und Lieferkette einhalten.