Neue Energie

Das Karlsruher Unternehmen Ineratec hat kompakte Anlagen entwickelt, die Kraftstoff herstellen – aus Strom, Wasser und Luft. Wie das funktioniert und warum die Technologie als Hoffnungsträger in der Energiewende gilt.

September 2018
Autorin: Josephine Pabst, wortwert

Tim Böltken hat zusammen mit seinen Geschäftspartnern fast zehn Jahre lang geforscht, bis er den großen Durchbruch feiern konnte. Im Sommer vergangenen Jahres war es so weit: Aus einer Pilotanlage im Süden Finnlands flossen 200 Liter einer klaren Flüssigkeit, ein synthetischer Kraftstoff, der sich mit wenig Aufwand zu Benzin, Diesel oder Kerosin weiterverarbeiten lässt. Die Ausgangsmaterialien: Ökostrom, Wasser und Luft. Ein Meilenstein für Böltken und sein Unternehmen Ineratec.

Die junge Firma ist eine Ausgründung aus dem Karlsruher Institut für Technologie. Vor vier Jahren legte der promovierte Chemieingenieur zusammen mit Studienkollegen den Grundstein. Seit dem Durchbruch in Finnland stellt Ineratec Anlagen her, die so kompakt sind, dass sie in einen Schiffs­con­tainer passen – frühere Konstruktionen waren deutlich größer. Die Technologie, die Ineratec verwendet, wandelt Gas wie Kohlenstoffdioxid unter Zugabe von Strom und Wasser in synthetischen Kraftstoff oder me­thanhaltige Gase um. Die Anlagen können überall aufgestellt werden, beispielsweise an Erdölförderstellen oder an Kläranlagen, an denen Gas entsteht, das bisher ungenutzt abgefackelt wird. Und die Technik ist skalierbar, kann also nicht nur 200 Liter pro Tag produzieren, sondern auch 2.000 Liter pro Tag und Container. Das macht sie zu einem wichtigen Baustein in der Energiewende.

Eine Firma, drei Köpfe und jede Menge guter Ideen: Hinter Ineratec stecken Philipp Engelkamp, Tim ­Böltken und Paolo Piermartini (von links). © Jürgen Jehle/Kammann Rossi

Potenzielle Kunden gibt es für Ineratec genug: So haben die drei Gründer aus Karls­ruhe ihre Anlagen bereits für Forschungsinstitute und Industrieunternehmen in Finnland, Spanien und der Schweiz gebaut. Einige der Kunden wollen Abfallprodukte aus der täglichen Produktion nutzen, andere interessieren sich für die Nutzung der synthetischen Kraftstoffe. Für das Produkt gebe es viele Einsatzmöglichkeiten, sagt Firmenchef Tim Böltken. „Unser Kraftstoff lässt sich beliebig mit herkömmlichen Kraftstoffen mischen und verbessert die Verbrennungseigenschaften.“ Nicht nur der Gründer sieht in der Technologie großes Potenzial: Das Unternehmen ist für seinen innovativen Ansatz mehrfach ausgezeichnet worden.