Ostafrika: Die Malls verändern alles

Überall in der Region entstehen derzeit Supermalls, die den Handel in Ostafrika auf den Kopf stellen. Sie haben sichere Parkplätze, saubere und geräumige Korridore – und dort können internationale Markenartikler und die einheimische Wirtschaft erstmals an einem Ort Geschäfte machen.

Oktober, 2017
Autor:  Martin Böll

KENIA: Hier gibt es schon seit Jahrzehnten kaum neue Jobs. Die Aussichten sind also eigentlich nicht rosig. Aber auch hier tut sich einiges, wie die Geschichte der Zwillingsschwestern Caroline und Rosemary Magondu zeigt.

Als die beiden im Jahr 2009 ihren Job verloren, weil die Fluggesellschaft pleiteging, bei der sie angestellt waren, blieb ihnen nur die Selbstständigkeit. So wurden die Magondus Franchisenehmer des US-Kosmetikherstellers Revlon und eröffneten in Nairobis Nobelvorort Karen einen bescheidenen Schönheitssalon.

Im Jahr 2011 entstand dann ganz in der Nähe die Galleria, eines der ersten modernen Shoppingcenter Nairobis. Die Schwestern nahmen ihren ganzen Mut zusammen und mieteten sich ein. „Unsere Geschäftsmiete explodierte um das Sechsfache“, erinnert sich Rosemary Magondu.

Die Two Rivers Mall im kenianischen Nairobi. Rund um einen Carrefour-Supermarkt, ein Fünfsternehotel sowie Büro- und Wohngebäude haben sich internationale Einzelhändler mit ihren Filialen niedergelassen.

© picture alliance/Photoshot

„Unsere Kunden waren aber kaum mal bereit, 20 Prozent mehr zu bezahlen.“ Der Mut hat sich trotzdem ausgezahlt. Heute besitzen die Zwillinge einen zweiten Salon – im noch moderneren Einkaufszentrum The Hub in Nairobi-Karen. „Extreme Styling Studio“ heißt ihre Marke, und sie bietet jede Menge Zeitvertreib: Haare, Nägel, Make-up, Massage. Dazu ein Glas Wein.

Viele kommen mit Freundinnen und bleiben viele Stunden, sagt Caroline. Beliebt seien Styling Parties vor Hochzeiten: Braut und Brautjungfern lassen sich stundenlang verschönern, sprudelnde Getränke heben die Stimmung – ein hervorragendes Geschäft.

Sicherer und sauberer Einkauf

Wer in einer guten kenianischen Mall unterkommen will, braucht erstklassige Referenzen, ein gutes Ladendesign und eine attraktive Angebotspalette. Im Zweifel helfen die Mallbetreiber nach und vermitteln Kontakte zu westlichen Konsumgüterherstellern.

Ankermieter ist immer ein großer Supermarkt – in den beiden kenianischen Spitzenmalls Two Rivers Mall und The Hub jeweils die französische Kette Carrefour. Überall in Kenia und – mit Verspätung – auch in den Nachbarländern schießen die neuen Supermalls aus dem Boden. Sie sind für den Handel in Ostafrika ein Game Changer.

Kenia in Zahlen

9.400

US-Dollar-Millionäre leben in Kenia. In Afrika reicht dies für Platz drei nach Südafrika und Nigeria.

66 %

der Kenianer haben Zugang zu Internet. Möglich macht’s ein Preisverfall: Das billigste Smartphone kostet umgerechnet 25 Euro.

300 m

hoch sollen die Hass Towers in Nairobi werden. Das Gebäude
soll 2020 das 223 Meter hohe Carlton Center in Südafrika übertrumpfen.

44

Plätze weiter vorn als 2015 liegt Kenia heute im Ease of Doing Business Ranking der Weltbank. Mit Rang 92 steht Kenia damit im Mittelfeld.

Kunden stellen ihre Autos dort auf sicheren und großen Parkplätzen ab und geben dann in lärm- und dreckfreiem Ambiente ihr Geld aus. Ausländische Markenartikler können ihre Produkte erstmals angemessen präsentieren. Inländische Anbieter etwa von Gewächshausgemüse finden Kunden für hochwertige Waren.

Bleibt die Frage nach der Herkunft von Investitionsgeldern für die Malls und den Eigentumsverhältnissen, die sich allerdings eher für private Gespräche eignet. Die Erfolgsgeschichte der kenianischen Malls zeigt dennoch eindrücklich, dass Privatwirtschaft in Afrika funktioniert, sofern sie nur den notwendigen Spielraum bekommt.

Gerade dieses Beispiel könnte als Vorbild für die neue Art von ökonomischem Engagement dienen, für die auch die Afrika­initiativen sowohl in Europa als auch in Deutschland stehen sollen. Denn die Malls gehören in Kenia zu den wenigen Wirtschaftszweigen, welche die Politik weitgehend in Ruhe lässt.