Reiseführer

Viele Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter ins Ausland. Ob nur für einige Tage oder mehrere Monate: Bei Entsendungen gibt es einiges zu beachten. Die Rechtsexperten von Germany Trade & Invest klären die wichtigsten Fragen.

Dezember 2020
Autoren: Nadine Bauer, Katrin Grünewald, Karl Martin Fischer, Jakob Kemmer, Julia Merle, Marcelina Nowak und Jan Sebisch

So fing es an: Seit Jahrhunderten gehen junge Handwerker auf Wanderschaft, um sich neue Arbeitsweisen anzueignen, Lebenserfahrung zu sammeln und Abenteuer zu erleben. Die Gesellenwanderung dauert üblicherweise drei Jahre und einen Tag, die Gesellen dürfen ihrem Heimatort in der gesamten Zeit nicht näher als 50 Kilometer kommen. © TOMAS MUNITA/NYT/Redux/laif

Auch während der Coronakrise, die mit zahlreichen Reisebeschränkungen einhergeht, sind Entsendungen tägliche Praxis in vielen deutschen Unternehmen. Schließlich können nicht alle geschäftlichen Tätigkeiten durch digitale Medien wie Videokonferenzen durchgeführt werden. Ob es um die Montage oder Wartung einer Maschine oder das Schaffen einer Vertrauensbasis mit einem ausländischen Geschäftspartner geht: Die persönliche Präsenz vor Ort lässt sich nicht immer ersetzen – das dürfte auch nach der Covid-19-Pandemie so bleiben.

Wenn ich bloß für zwei Tage dienstlich in Österreich bin, muss ich doch keine besonderen Vorkehrungen treffen, oder? Wenn ich an einer Messe in China teilnehme, ist das eine Entsendung, richtig? Das sind nur zwei der häufig gestellten Fragen, wenn es um Auslandseinsätze geht. Sie zeigen: Der Informationsbedarf ist groß. Kein Wunder, denn nicht nur jahrelange Auslandsaufenthalte gelten als Entsendung, sondern bereits wenige Stunden dauernde Dienstreisen. Um eine Entsendung handelt es sich also immer dann, wenn ein Arbeitnehmer auf Weisung seines deutschen Arbeitgebers im Ausland eine Beschäftigung für diesen ausübt, die zeitlich begrenzt ist.

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Millionen Geschäftsreisen haben Mitarbeitende deutscher Unternehmen im Jahr 2019 durchgeführt – ein Plus von rund drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum ­Anstieg haben auch mehr Auslandsreisen beigetragen: 30 Prozent der Geschäftsreisen im verarbeitenden Gewerbe und im Bausektor gingen ins Ausland.

Fakt ist: Entsendungen sind komplex. Bevor es für Angestellte ins Ausland geht, müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine Vielzahl rechtlicher und praktischer Fragen klären. Die wichtigsten Aspekte, mit denen sich jeder Arbeitgeber vor einer geplanten Entsendung befassen sollte, stammen hierbei aus den Bereichen Arbeits- und Aufenthaltsrecht, Sozialversicherungs- und Steuerrecht. Welche Meldungen muss ich vor Antritt der Reise tätigen, welche Formulare sind mitzuführen? Muss ich für den von mir entsandten Arbeitnehmer auch im Ausland Steuern zahlen? Und was passiert eigentlich im Krankheitsfall? Eine Übersicht.