Zoll kompakt: Schweiz

Vorschriften, Formulare und Verbote – der Export deutscher Waren ins Ausland kann kompliziert sein. In unserer Reihe erklären wir die wichtigsten Fakten rund um ein Land. Diesmal: die Schweiz.

April 2017
Autor: Hans-Jürgen Diedrich

Abgaben

Die Schweiz erhebt keine prozentualen Zollsätze, sondern spezifische Zölle basierend auf Gewicht oder Stückzahl. Gewerbliche Waren sind nur gering belastet oder zoll­frei. Im Landwirtschaftssektor sind die Zölle besonders hoch. Zollpräferenzen gibt es im Rahmen der bestehenden Freihandelsabkommen sowie für Waren aus Entwicklungsländern. Zusätzlich berechnet die Schweiz Mehrwertsteuer in Höhe von acht Prozent. Bier, Tabak, Tabakprodukte, Mineralöle und Fahrzeuge werden mit Verbrauchsteuern belegt. Zusätzlich können weitere Abgaben und Gebühren berechnet werden, beispielsweise die sogenannte Monopolgebühr auf alkoholhaltige Erzeugnisse. Zollsätze und Einfuhrnebenabgaben können im Schweizer Zolltarif kostenlos online abgerufen werden.

Einfuhrvorschriften

Alle Angaben müssen in mindestens einer der schweizerischen Amtssprachen vorliegen, also Deutsch, Französisch oder Italienisch. Auf fertig verpackten Lebensmitteln müssen Angaben zur Zusammensetzung, zur Haltbarkeit, zum Herstellungsland sowie Hinweise für die Anwendung bestimmter Technologien stehen. Holzverpackungen müssen dem IPPC-Standard ISPM Nr. 15 entsprechen.

Zollabfertigung

Die Zollanmeldung erfolgt elektronisch über das sogenannte Verzollungssystem e-dec Import. Anmeldepflichtig ist in erster Linie derjenige, der die Ware über die Grenze bringt oder bringen lässt, also der Warenführer, der Importeur, Empfänger, Versender oder Auftraggeber. Für die Erledigung der Zollformalitäten können Verzollungsagenturen, Speditions- oder Logistikunternehmen beauftragt werden. Es besteht keine Zollagentenpflicht.

Bei der Zollanmeldung müssen folgende Warenbegleitpapiere beiliegen: Handelsrechnung, Packliste, Einfuhrgenehmigung und Lizenz, falls erforderlich, außerdem Frachtpapiere und Präferenznachweise, falls Zollvergünstigungen beantragt werden sollen. Im Warenverkehr mit der Europäischen Union handelt es sich dabei um das Formular EUR.1.

Die Schweizerische Normen-Vereinigung, kurz: SNV, ist die nationale Normenorganisation der Schweiz. Auf europäischer Ebene beteiligt sich die Schweiz am neuen Konzept zur technischen Harmonisierung, mit dem Rechtsvorschriften und Normen harmonisiert werden. Das stellt eine grundlegende Voraussetzung für den freien Waren- und Dienstleistungsverkehr in Europa dar.