Sicherer Hafen

Nicht nur im Fußball spielt das kleine 3,5-Millionen-Einwohner-Land Uruguay eine erstaunlich wichtige Rolle. Die Schweiz Lateinamerikas gilt als Tor zum Mercosur und in vielen Bereichen als Vorzeigevolkswirtschaft.

Februar 2021
Autor: Carl Moses

Der Jachthafen von Punta del Este: Nicht nur Seerobben fühlen sich in Uruguay wohl. Auch Unternehmen strömen in das Land – immerhin gilt es als Vorzeigevolkswirtschaft Südamerikas. © Luis Davilla

Sie sind zwei der erfolgreichsten und innovativsten Unternehmer Argentiniens. Marcos Galperín, Gründer von Mercado Libre, dem größten Onlinehändler Südamerikas. Und Gustavo Grobocopatel, der Sojakönig, der wie kein anderer die moderne Landwirtschaft in ganz Südamerika geprägt hat. Beide residieren inzwischen nicht mehr in Argentinien, sondern seit einigen Monaten im benachbarten Uruguay. Dort sind die ­Steuern niedriger und die Regeln verlässlicher. Vor allem Letzteres.

Der seit März 2020 regierende liberal-konservative Präsident Uruguays, Luis Lacalle Pou, setzt ganz gezielt auf die Einwanderung wohlhabender Ausländer. Er hat die rechtlichen Hürden für eine Ansiedlung in Uruguay so niedrig gehängt wie nie. Neuansiedler brauchen zum Beispiel pro Jahr nur 60 Tage in Uruguay zu verbringen, um die Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Jede Woche stellen 150 Argentinier einen entsprechenden Antrag.

Uruguay gilt als die Schweiz Südamerikas. Das Land hat eine stabile Demokratie, in der traditionelle Parteien eine größere Rolle spielen als in anderen Ländern der Region. Populisten und Machopolitiker haben in Uruguay bisher kaum Chancen. Mit Europa teilt Uruguay die kulturelle Basis und den gleichen Wertekanon. Bei Rankings zu Transparenz, Gewerbefreiheit oder Rechtsstaatlichkeit erzielt Uruguay im südamerikanischen Vergleich Spitzenwertungen. In Sachen Wettbewerbsfähigkeit wird Uruguay in Lateinamerika nur von Chile getoppt.

Als der deutsche Lederproduzent Bader vor 20 Jahren hier eine Niederlassung eröffnete, tat er das, weil das Land „langfristig mehr rechtliche, politische und wirtschaftliche Sicherheit bot“, erklärt Willie Tucci, der Bader Uruguay heute leitet. Daran, sagt er, habe sich bis heute wenig geändert (siehe Interview unten).

Zudem gilt Uruguay als das Land mit der höchsten Lebensqualität in der Region. Zwar war eines der Hauptthemen im vergangenen Wahlkampf, dass die Kriminalität in Südamerikas Stabilitätsoase zunimmt. Doch die Sicherheitslage ist immer noch wesentlich besser als in den meisten anderen lateinamerikanischen Ländern. Eine Vorzeigevolkswirtschaft – auch bei der Energiewende: Uruguay gehört weltweit zu den Vorreitern bei erneuerbaren Energien, produziert mehr grünen Strom, als es selbst verbrauchen kann.