Spanische Bauern werden zu Datenlandwirten

Spaniens Landwirte blicken im Frühjahr immer öfter gen Himmel und auf den Stand der Wasserreserven ihrer Region. Im trockenen Süden und entlang der Mittelmeerküste können Oliven, Zitrusfrüchte, Baumwolle und Weinreben sowie alles erdenkliche Obst und Gemüse nur dank einer ausgeklügelten Infrastruktur aus mehr als 1.200 Stauseen und einigen Dutzend Wasserumleitungen gedeihen.

April 2017
Autorin:  Miriam Neubert

Kein Land in der Europäischen Union bewässert so große Flächen wie Spanien. Diese haben sich zwischen 2005 und 2015 um 9,3 Prozent auf über 3,6 Millionen Hektar ausgeweitet. Das ist gut ein Fünftel der landwirtschaftlichen Anbaufläche und entspricht etwa der Größe Baden-Württembergs. Darauf fallen aber zwei Drittel der pflanzlichen Endproduktion an.

Der Dachverband Fenacore vereint rund 700.000 Bewässerungslandwirte über ihre jeweiligen Gemeinschaften. Besonders ausgeprägt ist die Bewässerungsfeldwirtschaft in den Regionen Andalusien, Kastilien-La Mancha, Kastilien und León, Aragón sowie Valencia. Sie ist ein wichtiger regionaler Wirtschaftsfaktor und beeinflusst durch ihre Exportstärke Spaniens Handelsbilanz positiv.

Europas Gemüsegärten in der südspanischen Region Andalusien bringen nur dank eines ausgeklügelten Systems aus Stauseen und ­Wasserumleitungen Ertrag. | © Nele Martensen/laif

Der Preis: Die Landwirtschaft verschlingt mit gut zwei Dritteln das meiste Wasser. Doch es gibt eine gute Nachricht: Im Vergleich zu früher sinkt die Wassernach­frage der Landwirtschaft.

Hälfte der Fläche mit Tropfbewässerung

Denn auf der Hälfte der bewässerten Anbauflächen werden mittlerweile sparsame Tropfsysteme eingesetzt. Das sind eine halbe Million Hektar mehr als 2005 (plus 38 Prozent) – mit steigender Tendenz, besonders bei Olivenbäumen, Weinstöcken und neuen Zitrus- und Kernobstanpflanzungen. Die Flächen mit Beregnungssystemen nehmen zu, die Furchenbewässerung ist um 18 Prozent zurückgegangen, die besonders viel Wasser beansprucht. Sie macht aber immer noch mehr als ein Viertel der Ackerflächen aus.

Rund vier Milliarden Euro haben Unternehmen und Behörden laut Landwirtschaftsministerium seit dem Jahr 2000 in effiziente Bewässerungsformen investiert. Bei der Optimierung ist noch jede Menge Raum, wie der Internationale Salon für Wasser und Bewässerung SMAGUA in Zaragoza im März 2017 zeigte. Modernisierung und Innovationen in der Bewässerung werden auch aus dem Europäischen Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes unterstützt.

»Digitalisierung und Automation bringen Effizienz in die Bewässerungswirtschaft.«

Miriam Neubert, GTAI-Korrespondentin  Spanien

Die Vergabe neuer Mittel im Rahmen der Förderperiode 2020 kommt erst allmählich ins Rollen und wird die Nachfrage nach Bewässerungs-, Filter-, Mess- und Steuertechnik steigern. Für 2017 hat etwa die Region Murcia 3,4 Millionen Euro für Bewässerungsvereine ausgeschrieben. Diese investieren, um Abwässer aus Kläranlagen einzusetzen. Auch die Forschung floriert. In der Keramikregion Valencia prüfen Landwirte im Rahmen des europäischen Projekts Fertilife, ob sich kohlensäurehaltiges Wasser aus der Keramikindustrie für die Bewässerung von Orangenbäumen eignet.

Energiekosten von Pumpen im Blick

Ein großes Anliegen ist es, die hohen Energiekosten der Bewässerung zu senken. Dazu sollen erneuerbare Energien integriert werden. Chancen haben da auch deutsche Anbieter. Der Hersteller Lorentz etwa ist mit solaren Pumpen in Spanien präsent. Klar ist: Bewässerung wird in Spanien künftig nur noch Teilaspekt eines umfassenden Prozesses der Vermessung, Digitalisierung und Konnektivität in der Landwirtschaft sein.

Sichtbar ist der Trend etwa am Boom der Drohnendienste für den Agrarsektor, wie sich auf der Global Robot Expo im Februar in Madrid zeigte. „Wir sind Datenlandwirte“, stellte sich dort Josemaría Oleaga Belart vor. Er arbeitet für Bynse, ein Start-up des Baukonzerns ACS, das Agrodata-Dienstleistungen anbietet.

Im Dreieck Pflanze, Klima, Boden sammelt eine Box über verbundene Sensoren Daten. Mittels einer Software werden sie mit weiteren Informationen in einer Cloud kombiniert, um dem Landwirt Entscheidungshilfen zu geben.

Auch Bosch bietet im Bereich der Smart Agriculture bereits Lösungen für Erdbeeren und Spargel im spanischen Markt an. Unterstützung vom Landwirtschaftsministerium gibt es gratis: Seit Mitte 2016 hat es die Messdaten seines Systems agroklimatischer Informationen für die Bewässerung (SIAR) freigeschaltet.

Per App kann der Nutzer auf dem Handy seine Bewässerung konfigurieren, den Bodenzustand darstellen und erhält ein Signal, sobald sich das Wasserrisiko für seine Pflanzen ändert.