Aufsteiger

Pakistan ist für vieles bekannt – aber nicht unbedingt für Innovation und Technik­affinität. Zu Unrecht, denn die Volkswirtschaft wächst rasant und die Start-up-Landschaft blüht. Das Wachstumspotenzial ist groß, nicht nur für Jungunternehmen.

September 2022
Autorin: Heena Nazir

Pakistan könnte das „nächste große Ding“ in der internationalen Start-up-Welt werden, ist sich Aseef Hashmi sicher. Er hat das Agrartechnologie-Start-up Seedlife gegründet und eine App entwickelt, die Bauern dabei helfen soll, den Anbau von Gemüse zu optimieren. „Die Geschäftssprache in Pakistan ist Englisch, es gibt eine hohe Anzahl gut ausgebildeter Arbeitskräfte, und der Markt ist bisher relativ dereguliert, was ihn offen und attraktiv für Investoren macht“, sagt der Gründer.

Während Nachbar Indien schon lange über eine sehr lebendige Start-up-Szene verfügt, wurde Pakistan von ausländischen Investoren bislang mit Skepsis betrachtet: Sicherheitsbedenken, Stromknappheit und eine schlechte digitale Infrastruktur hielten sie zurück. Nachdem das Land an diesen Punkten beständig arbeitet, konnte sich die Republik im Ease of Doing Business Index der Weltbank von Platz 147 auf Rang 108 im Jahr 2020 verbessern. Das heißt: Das Geschäftemachen in Pakistan wird leichter. Zwar ist es im weltweiten Vergleich noch immer herausfordernd, doch die Tendenz zeigt nach oben.

Deutschland schickt vor allem Maschinen nach Pakistan, sie machen rund ein Viertel des Exportvolumens von einer Milliarde Euro aus. Die Bundesrepublik ist damit der wichtigste Handelspartner innerhalb der Europäischen Union. Wie sich die Geschäfte in Pakistan entwickeln, bleibt allerdings ungewiss: Nach einem Misstrauensvotum gegen Ministerpräsident Imran Khan wurde der Oppositionsführer Shehbaz Sharif zum neuen Premier vom Parlament ernannt. Doch er ist aufgrund von Korruptionsvorwürfen sehr umstritten. Landesweit gingen deshalb Zehntausende Menschen gegen die Amtsenthebung von Khan auf die Straße und protestierten. Diese politische Unsicherheit wirkt sich negativ auf das Geschäftsumfeld aus, potenzielle Investoren zeigen sich zunehmend zurückhaltender.

Um die Wirtschaft anzukurbeln und das Land attraktiver für ausländische Investoren zu machen, führte die pakistanische Regierung im Jahr 2019 Reformen ein, die lokal angesiedelte Unternehmen fördern sollen. Zu den Maßnahmen gehörten eine dreijährige Steuererleichterung sowie die Schaffung eines Onlineregistrierungssystems, um die Gründung von Unternehmen zu erleichtern.

Fintechs und E-Commerce räumen ab

Die Strategie scheint aufzugehen. Im Jahr 2021 erreichten Finanzierungen durch Risikokapitalgeber in Pakistan ein neues Rekordhoch von 332 Millionen US-Dollar – das entspricht einem Zuwachs von 132 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Risikokapitalgeber schlossen 78 Transaktionen ab, ebenfalls: Tendenz steigend. Das meiste Geld floss in Fintechs und den E-Commerce, sie machten die Hälfte aller Finanzierungsrunden in Pakistan aus. Bedeutend waren außerdem die Bereiche Transport und Logistik, IT-Lösungen und Einzelhandel: Verglichen mit dem Jahr 2020 konnte jede der Branchen einen enormen Anstieg an Finanzierungsrunden verzeichnen.

5 Tipps für den Markteinstieg in Pakistan

  • Persönliche Beziehungen spielen eine wichtige Rolle.
  • Small Talk und persönliche Einladungen sind wichtige Gelegenheiten.
  • Seien Sie geduldig bezüglich Unpünktlichkeit und langer Besprechungen.
  • Sensible Themen wie Religion und Politik besser vermeiden.
  • Vermeiden Sie direkte Kritik.

Interessant ist auch ein Blick auf die Herkunft der Geldgeber: Sechs von zehn Investoren, die im Jahr 2021 Transaktionen pakistanischer Start-ups finanzierten, haben ihren Sitz im Ausland. Und es werden immer mehr: 2020 gab es lediglich eine Finanzierungsvereinbarung mit Investoren aus dem Vereinigten Königreich – 2021 waren es bereits 13. Auch deutsche Investoren werden auf dem pakistanischen Markt aktiver. Während 2020 noch keine Finanzierungsrunde zustande kam, waren es 2021 bereits elf. Damit belegen deutsche Geschäftsleute den dritten Platz der aktivsten Investoren im vergangenen Jahr. Vor allem Technologie-Start-ups konnten im Jahr 2021 besonders hohe Summen einsammeln. So etwa das Logistikunternehmen Airlift Technologies (85 Millionen US-Dollar), der E-Commerce-Spezialist Bazaar Technologies (30 Millionen US-Dollar) und das Fintech Credit Book (elf Millionen US-Dollar).

Investoren mit Rekordgewinnen

Bekannte Investoren wie Tiger Global, Kleiner Perkins, Global Founders Capital und Stripe haben im vergangenen Jahr erstmals in pakistanische Start-ups investiert – und direkt Rekordgewinne verzeichnet. Dass auch in den kommenden Jahren große Investitionen getätigt werden, erscheint daher mehr als wahrscheinlich. Besonders für Start-ups in den Bereichen Fintech, E-Commerce, Logistik und Transport kann es sich somit lohnen, in Richtung Pakistan zu schauen.

Hightech im Gewächshaus: Smarte Sensoren sorgen dafür, dass die Salatköpfe optimal wachsen. © Thomas Barwick/Getty Images

SeedLife

Die Landwirtschaft trägt circa 20 Prozent zum pakistanischen Bruttoinlandsprodukt bei. Allerdings ist die Produktivität sehr gering, die Landwirte leben häufig in Armut. „Unsere Technologien sollen die pakistanische Agrarwirtschaft effizienter machen“, sagt Seedlife-Gründer Aseef Hashmi. Der 26-Jährige arbeitet in Faisalabad mit drei Freunden an Smart-Farming-Lösungen. So etwa an einer App, die Bauern dabei unterstützen soll, den Anbau von Gemüse zu optimieren. Mit der App können Landwirte ihre Pflanzen fotografieren. Ein Algorithmus analysiert, ob sie mehr Wasser oder Dünger brauchen. Die Entwicklung ist wissenschaftlich fundiert: Hashmi arbeitet mit der Faisalabad University zusammen.