Südafrika baut neue Kanäle

Der Trend zu präziseren Technologien in der Landwirtschaft dürfte die Nachfrage nach modernen Mess- und Steuerungssystemen steigern. Südafrika avanciert auch deshalb zu einem interessanten Absatzmarkt für Anbieter moderner Bewässerungssysteme, weil landwirtschaftliche Betriebe größer und professioneller werden.

April 2017
Autor:  Heiko Stumpf

Es waren deprimierende Bilder, die zum Jahreswechsel 2015/16 durch die Medien gingen: verdorrte Felder, verendete Rinder, ausgetrocknete Dämme und verzweifelte Farmer, die in Gemeindezentren für Regen beteten. Die schwerste Dürre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1904 sorgte für Millionenschäden in der südafrikanischen Landwirtschaft.

Schuld war eine besonders starke Ausprägung des Wetterphänomens El Niño, das Trockenheit über die Südspitze Afrikas brachte. Erstmals seit vielen Jahren musste Südafrika Mais importieren, um die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen.

Weinberge in Simonsberg nahe Stellenbosch – die Landwirtschaft Südafrikas ist für 60 Prozent des Wasserverbrauchs in dem Land verantwortlich. Bewässerungssysteme sind oft veraltet, viel Wasser geht ungenutzt verloren. | © Obie Oberholzer/laif

Die Bauern haben immer noch mit den Langzeitfolgen der Dürre zu kämpfen. Derzeit deckt Südafrika mehr als 70 Prozent seines Bedarfs aus Oberflächenwasser. Weil der Regen so lange ausgeblieben war, fielen die Pegel in den Flüssen und Dämmen jedoch derart stark, dass Wasser weiter streng rationiert werden muss.

In zahlreichen Gebieten haben die Behörden die Zuteilungen für Farmer um 50 bis 80 Prozent gesenkt. Die Folge: Sie müssen ihre Felder verkleinern und erleiden Ertragseinbußen.

„Die meteorologische Dürre ist mittlerweile zwar vorüber, die hydrologische Trockenheit wird aber noch lange für Probleme sorgen“, erklärt Felix Reinders, Bewässerungsingenieur beim Agricultural Research Council. Obwohl es 2017 wieder normal regnen soll, könne es noch drei bis fünf Jahre dauern, bis die Stauseen ausreichend gefüllt sind.

»Weltweit gibt es jetzt Fördermittel für Bewässerungssysteme. Das ist eine Chance für KMU.«

Heiko Stumpf, GTAI-Korrespondent Südafrika

Schon heute sind die Wasserreserven überstrapaziert. Es wird mehr aus den Flüssen, Grundwasserspeichern und Dämmen entnommen, als auf natürlichem Wege – etwa durch Regen – neu entstehen kann. Infolge des Klimawandels dürfte es künftig häufiger zu schweren Dürreereignissen kommen. Forscher des Council for Scientific and Industrial Research rechnen Ende des Jahrhunderts alle fünf Jahre mit einem Super-El-Niño.

Bevölkerung und Verbrauch wachsen

Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf, denn die Bevölkerung wächst und mehr Menschen leben in Städten. Aufgrund der hohen Geburtenrate legt die Einwohnerzahl Südafrikas derzeit um etwa eine Million Menschen pro Jahr zu.

Während derzeit bereits rund 63 Prozent der Bevölkerung in städtischen Ballungsräumen leben, sollen es im Jahr 2035 schon 80 Prozent sein. Die Wasserinfrastruktur in den Ballungsräumen muss also ausgebaut werden.

Auf der einen Seite sind immer mehr Menschen zu ernähren, die Menge Wasser, die für den Agrarsektor zur Verfügung steht, lässt sich aber kaum noch steigern. Schon heute ist die Landwirtschaft mit einem Anteil von 60 Prozent der mit Abstand größte Verbraucher des Landes.

Experten schätzen, dass derzeit 1,4 Millionen Hektar Agrarfläche bewässert werden. Im Verhältnis zur gesamten kultivierbaren Fläche sind das zwar nur rund 12 Prozent. Damit werden aber rund 30 Prozent der Nahrungsmittel erzeugt.

Die Regierung will nach den Vorgaben des National Development Plan die bewässerte Agrarfläche bis 2030 um weitere 500.000 Hektar steigern. Branchenkenner betrachten diese Zielvorgabe jedoch als zu optimistisch und schätzen, dass im Idealfall maximal noch rund 100.000 Hektar zusätzlich bewässert werden können.

Noch mehr Oberflächenwasser zu erschließen, ist nur begrenzt möglich: Es mangelt an geeigneten Standorten für neue Staudämme. Die Bewässerung mit Grundwasser ist nicht nachhaltig: Weil es sich nicht oder nur wenig nachbildet, wäre es schnell übernutzt. Außerdem sind die Vorkommen häufig sehr salzhaltig.

»Anbieter können in Südafrika mit Beratung, Ausbildung und After-Sales-Service punkten.«

Gerhard Backeberg, Agrarexperte bei der südafrikanischen Water Research Commission

„Ein Ausbau der Bewässerungsfläche lässt sich deshalb nur über Wassereinsparung und Effizienzsteigerungen erzielen“, sagt Gerhard Backeberg, Agrarexperte bei der südafrikanischen Water Research Commission. Nach Angaben des Wasserministeriums ließen sich mit besserer Technik zwischen 30 und 40 Prozent Wasser einsparen. Bislang kommt etwa die Tropfbewässerung nur auf rund 26 Prozent der Bewässerungsfarmen zum Einsatz, erklärt Backeberg. Viel verbreiteter sind Sprinklersysteme und Oberflächenbewässerung.

Vorreiter bei innovativerem Bewässerungsmanagement ist das Westkap im Südwesten mit dem von der Provinzregierung ins Leben gerufenen Fruitlook-Projekt. Über Satellitenmessungen erhalten Landwirte Angaben zu Wasserverbrauch, Pflanzenwachstum und Bodenbeschaffenheit. So können sie den Bewässerungsbedarf für einzelne Farmblocks detailliert bestimmen.

Der Trend geht zu mehr Präzision

Der Trend zu präziseren Technologien in der Landwirtschaft dürfte die Nachfrage nach modernen Mess- und Steuerungssystemen steigern. Südafrika avanciert auch deshalb zu einem interessanten Absatzmarkt für Anbieter moderner Bewässerungssysteme, weil landwirtschaftliche Betriebe größer und professioneller werden. Die Zahl der kommerziellen Bauern ging von rund 60.000 im Jahr 1996 auf rund 35.000 im Jahr 2016 zurück.

Gleichzeitig steigt die durchschnittliche Fläche pro Farm. Landwirtschaftliche Großbetriebe wie die Karsten Group oder 22Z erstellen mithilfe von Wetterstationen, Sonden für die Bodenfeuchtigkeit und Durchflussmessern schon heute detaillierte Bewässerungspläne.

Die Karsten Group hat den Wasserverbrauch durch den Einsatz von Bewässerungsplänen nach eigenen Angaben um bis zu 34 Prozent gesenkt. Sie hat außerdem an verschiedenen Standorten im Westkap und am Oranje-Fluss Flächen von mehr als 1.000 Hektar unter Bewässerung. 22Z verfügt über mehr als 10.000 Hektar für den Anbau von Obst und Gemüse und vergrößert seine Avocadoplantagen.

Der Markt für integrierte Systeme zur Bewässerungsplanung bietet noch reichlich Potenzial, denn bisher nutzen erst 20 bis 25 Prozent der Farmer die technischen Möglichkeiten. Kleinere Landwirte müssen noch von der Wirtschaftlichkeit überzeugt werden.

Anbieter können mit Beratung, Ausbildung und After-Sales-Service punkten, vor allem bei wartungsintensiven Systemen, sagt Backeberg. Wegen der hohen Anschaffungskosten legten südafrikanische Farmer vor allem Wert auf Wartung und Inspektion.