Taiwan baut am Asian Silicon Valley

Mit dem Konzept des Asian Silicon­Valley will die taiwanesische Regierung das Innovationspotenzial des Landes noch besser ausschöpfen.

Juni 2017
Autor:  Jürgen Maurer

Im Vergleich zur Volksrepublik China positioniert sich Taiwan als besonders verlässlicher Handelspartner mit hoher Rechtssicherheit, Patentschutz sowie investitions- und innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen.

Durchaus zu Recht, wie internationale Vergleichsanalysen und auch deutsche Unternehmensvertreter immer wieder bestätigen. Dennoch ist es für die Insel nicht leicht, sich im zunehmenden Wettbewerb um Forschungs- und Entwicklungskapazitäten zu behaupten.

Hauptgebäude des Industrial Technology Research Institute (ITRI) in Taiwan. 4.000 Flügel in unterschiedlicher Anordnung zieren die Fassade. | © noiz/ architecture, design and planning/Bio Architecture Formosana/ Daici Ano

Mit dem Konzept des Asian Silicon­Valley will die taiwanesische Regierung das Innovationspotenzial des Landes nun noch besser ausschöpfen. Sie lenkt mehr Kapital und technologisches Know-how in Wachstumsfelder wie das Internet of Things und die Softwareentwicklung.

Bei diesem Ansatz steht vor allem die Transformation zu einer digitalen, wissensbasierten Wirtschaft im Fokus. Bisher dominiert in Taiwan die auftragsorientierte Hardwareproduktion.

Gleichzeitig will man die wirtschaftlichen Wachstumsträger nicht vernachlässigen, allen voran die Produktion von Elektronik wie auch die Entwicklung smarter Maschinen.

»Regierungen wollen einen noch größeren Teil der Wertschöpfungsketten in ihre Länder holen.«

Jürgen Maurer, GTAI-Korrespondent Taiwan

Denn ganz allein von Software würde sich die taiwanesische Wirtschaft nicht tragen. Die Elektronikbranche spielt für die exportorientierte Insel eine herausragende Rolle, machte sie doch 2016 etwa 44 Prozent der Ausfuhren und 24 Prozent der Importe aus.

In diesem Bereich sind denn auch die meisten der F&E-Zentren internationaler Unternehmen zu finden. Insgesamt mehr als 60 F & E-Einrichtungen ausländischer Firmen soll es gegenwärtig in Taiwan geben, darunter aus Deutschland Merck, Evonik, Bosch, Manz und als Jüngster in der Runde auch Linde, die hauptsächlich kundenspezifische Produktentwicklung betreiben.

Taiwan will weitere F & E-Zentren ausländischer Unternehmen ansiedeln, um sich noch stärker als Innovationshub zu etablieren. Dabei spielt auch das staatlich geförderte Industrial Technology and Research Institute eine Rolle, das jüngst in Hsinchu im Norden der Insel einen Innovationscampus mitbegründet hat, und im südlichen Kaohsiung das Southern Taiwan Interdisciplinary Center for Innovative Technologies.