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Die meisten neuen Patente rund um elektrische, senkrecht startende Flugtaxis kamen in den vergangenen Jahren von US-Unternehmen. Doch deutsche Wettbewerber wie Lilium und Volocopter machen Boden gut auf dem Zukunftsmarkt.

Dezember 2022
Autor: Heiko Steinacher

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Was noch vor wenigen Jahren als Hype belächelt wurde, könnte bald Realität werden: Flugtaxis im Luftverkehr. Der chinesische Entwickler Ehang beispielsweise will seinen Senkrechtstarter im Reich der Mitte noch im Jahr 2022 in Dienst stellen, das deutsche Luftfahrtunternehmen Volocopter aus Bruchsal will 2024 in Frankreich starten. Ebenfalls 2024 rechnen die US-Luftfahrtspezialisten Archer und Joby mit der Zulassung ihrer Fluggeräte in den USA. Lilium aus Weßling bei München will 2025 folgen.

Kein Wunder, denn das Potenzial von Urban Air Mobility (UAM), also der Erweiterung städtischer Transportsysteme in den Luftraum, ist gewaltig: Bis zum Jahr 2050 werden weltweit rund 160.000 Passagierdrohnen im Einsatz sein, schätzt die Unternehmensberatung Roland Berger. Das Umsatzpotenzial: jährlich 90 Milliarden US-Dollar. Die ersten Modelle sollen rein batterieelektrisch fliegen, später dürften auch Brennstoffzellenantriebe dazukommen. Aus technologischer Sicht sind vor allem luftfahrttaugliche Batterien sowie fortschrittliche Elektromotoren und Antriebssysteme gefragt.

Zahlen & Fakten

34 %

soll der globale Urban-Air-Mobility-Markt laut dem Marktforscher Markets And Markets von 2025 bis 2030 im Schnitt pro Jahr wachsen.

36 %

der annähernd 160.000 Passagierdrohnen im Jahr 2050 werden laut Roland Berger Taxis sein, die innerhalb einer Stadt fliegen. 35 Prozent werden Passagiere zum Flughafen bringen, 29 Prozent Städte miteinander verbinden.

305

Milliarden US-Dollar betragen laut dem Techunternehmen Inrix die jährlichen wirtschaftlichen Verluste durch Verkehrsstaus in den USA.

Da sich die meisten Projekte erst in der Planungs- und Projektphase befinden, sind die Jungunternehmen stark von externen Geldgebern abhängig. Laut der Datenplattform Pitch Book haben Investoren im Jahr 2021 weltweit fast eine Milliarde US-Dollar in sogenannte Evtol-Start-ups gesteckt. Ein Evtol – kurz für Electric Vertical Take-off and Landing – ist ein elektrisch angetriebenes Fluggerät, das senkrecht starten und landen kann. Im Januar 2022 sicherte sich Wisk Aero 450 Millionen US-Dollar vom Flugzeugbauer Boeing. Volocopter sammelte im März 170 Millionen US-Dollar ein, Beta Technologies im April 375 Millionen US-Dollar.

Lilium: Senkrechtstarter als Vorbild

Vorbild von Liliums Gründer Daniel Wiegand ist das Militärflugzeug V22, das senkrecht starten und landen kann. Wiegand will sein Fluggerät (siehe Foto) als kommerzielles Passagiertaxi einsetzen, das bis zu 300 Kilometer lange Strecken zurücklegt. Technisch ermöglichen sollen das in die Flügel integrierte, schwenkbare Mantelpropeller. Das bayerische Start-up hat zahlreiche Partner an Bord: Honeywell für Avionik- und Flugsteuerungssysteme, Automobilzulieferer Denso für Elektromotoren und Flughafenbetreiber Ferrovial, um in Florida ein Netz von Start- und Landeplätzen für seine Flugtaxis aufzubauen. Der Privatjetanbieter Netjets sicherte sich bereits Optionen für bis zu 150 Lilium-Flugtaxis, der Hubschrauberbetreiber Bristow für 50 Exemplare. © Lilium Regional Air Mobility Press