Zentralasien modernisiert die Bewässerungssysteme

Wasser ist in Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan besonders knapp. Marode Bewässerungsanlagen und mangelndes Know-how für eine effektive Wassernutzung machen die Lage noch schlimmer. Hier wollen die Länder nun ansetzen und stecken Millionen US-Dollar in die Modernisierung ihrer Bewässerungssysteme.

April 2017
Autor:  Fabian Nemitz

In Usbekistan kommen nur zehn Prozent der Oberflächengewässer aus eigenen Flüssen, Bächen und Seen – in Turkmenistan sogar weniger als fünf Prozent. In Kasachstan sind es mehr als 50 Prozent. Alle drei Länder benötigen aber viel Wasser für ihre Getreide-, Baumwoll- und Gemüsefelder.

Allein in Usbekistan müssen 4,2 Millionen Hektar Ackerboden künstlich bewässert werden. Das sind gut 90 Prozent der Anbauflächen. Staatliche Regierungsprogramme und Aktionspläne sollen nun – zusammen mit privaten Investitionen – die Effizienz in der Wassernutzung signifikant erhöhen.

Der Aralsee, einst so groß wie Bayern, trocknet aus und hinterlässt verlassene Städte und Wüstenlandschaften. | © Hill/laif

400 Millionen Dollar für Modernisierung

Beispiel Turkmenistan: Aus dem Grenzfluss Amudarja werden die zentralen und westlichen Landesteile über den Karakumkanal mit Wasser versorgt. Doch weniger als die Hälfte des Wassers kommt auf den Feldern an. Der Rest verdunstet oder versickert in maroden Bewässerungsnetzen und kaum vorhandenen Kanalbettabdichtungen im Boden.

Das Land steckt nun bis 2020 rund 400 Millionen US-Dollar in die Modernisierung der Bewässerungsanlagen am Karakumkanal. Pumpstationen werden erneuert, das Kanalnetz über lange Strecken modernisiert und neue Bewässerungstechnologien beschafft. In den Jahren 2017 und 2018 soll sich die Bewässerung auf 150.000 Hektar verbessern.

»Probleme der Wasserversorgung lassen sich nur überregional lösen – durch Kooperation.«

Fabian Nemitz, GTAI-Korrespondent Kasachstan

Usbekistan investiert jährlich zwischen 150 und 170 Millionen US-Dollar in Bewässerungsprojekte. Vor allem die 1,3 Millionen Hektar großen Baumwollfelder schlucken extrem viel Wasser. Derzeit führen die Baumwollbauern die effektive Furchenberieselung ein.

Das Projekt läuft seit 2014 und sieht für 2017 die Installation solcher Anlagen auf einer Fläche von bis zu 25.000 Hektar vor. Seit 2013 sind alle usbekischen Agrarproduzenten, die Böden zum Obst- und Gemüseanbau pachten, zu Investitionen in wassersparende Bewässerungstechnologien verpflichtet.

Internationale Geldgeber wie die Asiatische Entwicklungsbank, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und die Islamische Entwicklungsbank wollen Kasachstan bei der Instandsetzung der Bewässerungssysteme auf 610.000 Hektar unterstützen. Die Kosten schätzt die Regierung in Astana bis 2021 auf fast 850 Millionen US-Dollar.

Der Haken: Wasser ist in der Region sehr ungleich verteilt, nachhaltige Lösungen funktionieren nur grenzüberschreitend – und das scheint schwierig. Erst im Oktober 2016 hat Tadschikistan mit dem Bau des riesigen Rogun-Staudamms begonnen. Den Nachbarn Usbekistan dürfte das wenig freuen: Der Damm staut den Fluss Wachsch, einen Hauptzufluss des Amudarja. Dieser ist für die Usbeken einer der wichtigsten Wasserläufe.