Zoll kompakt: Kanada

Vorschriften, Formulare und Verbote – der Export deutscher Waren ins Ausland kann kompliziert sein. In unserer Reihe erklären wir die wichtigsten Fakten rund um ein Land. Diesmal: Kanada.

November 2018
Autorin: Susanne Scholl

Achtung, Elch kreuzt! Was Touristen freut, ärgert kanadische Behörden. Die bis zu 800 Kilogramm schweren Tiere verursachen viele Verkehrsunfälle und fressen nebenbei auch noch ganze Wälder kahl.

© Urban Zintel/laif

Abgaben

Das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und Kanada wird seit vergangenem Jahr vorläufig angewendet. Seitdem können viele Waren zollfrei zwischen der EU und Kanada gehandelt werden, 99 Prozent aller Zölle auf Industrieprodukte sind entfallen. Es gibt Verbrauchsteuern auf Tabakwaren, Alkoholika, Kraftstoffe, Kraftfahrzeuge mit einem durchschnittlichen Verbrauch ab 13 Litern je 100 Kilometer und Klimaanlagen für Kraftfahrzeuge.

Einfuhrvorschriften

Bei Konsumgütern sind folgende Angaben erforderlich: handelsübliche Bezeichnung des Produktes, Firmenadresse des Erzeugers oder Händlers und das Nettogewicht der Ware. Zudem müssen je nach Produkt weitere Informationen, unter anderem zu Charakter, Qualität, Größe, Materialzusammensetzung, Ursprung und Herstellungsmethode, angegeben sein. Jede Information muss in beiden offiziellen Landessprachen aufgedruckt sein. Holzverpackungen müssen dem internationalen Standard ISPM 15 entsprechen.

Gemäß den Bestimmungen des Canadian Electrical Code müssen alle elektrisch gesteuerten Geräte und Systeme in Kanada nach den geltenden Normen und Standards zugelassen sein. Für ausländische Produkte kann diese Zulassung durch ein sogenanntes „Listing“ oder eine „Field Evaluation“, also eine Einzelzulassung, nachgewiesen werden. Geräte und Systeme können in Deutschland vorgeprüft und nach der Installation von kanadischen Mitarbeitern der deutschen Prüf­institution vor Ort überprüft werden, um eine Konformität mit den kanadischen Normen sicherzustellen. Anschließend werden sie mit einem „Field Label“ gekennzeichnet. Besondere Genehmigungen und Beschränkungen gelten unter anderem für Waffen, Textilprodukte, Stahlprodukte, Fleisch, Milchprodukte, Eier, Margarine, Käse, Getreideprodukte, Nudeln und Brot.

Zollabfertigung

Waren müssen in Kanada unmittelbar nach ihrem Eingang bei dem nächstgelegenen Zollamt gemeldet werden. Dies liegt in der Verantwortung des Importeurs mit Sitz in Kanada. Dieser kann sich für die Einfuhrabfertigung von einem Zollagenten vertreten lassen. Der Zollanmeldung sind folgende Dokumente beizufügen: Handelsrechnung in englischer oder französischer Sprache, Frachtpapiere, Einfuhrgenehmigungen, Gesundheitszertifikate, Prüfzertifikate und gegebenenfalls Präferenznachweise.